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Vom Tessin in die ganze Welt Die Schweiz, das «Mutterland des Minigolfs»

Präzision, Normen und ein Gartenarchitekt: So begann der Siegeszug des Minigolfs in Ascona.

An der Via Circonvallazione in Ascona TI sollen sich laut diversen Quellen die ersten normierten Minigolfbahnen der Welt befinden.

Am 19. März 1954 eröffnete der Gartenarchitekt Paul Bongni dort seinen Minigolfplatz, mit den von ihm entwickelten und patentierten Bahnen und Hindernissen.

Wie Fotos aus der Zeit zeigen, spielte man damals in Rock und Bluse oder mit Anzug und Krawatte. Bongnis Bahnen waren wetterfest und machten die Schuhe und die Kleider nicht schmutzig.

Drei Personen spielen Minigolf vor einer Berglandschaft.
Legende: Heute bietet sie mehr Schatten: Die Minigolfanlage in Ascona bei ihrer Eröffnung 1954. Minigolf Ascona / Miranda Graf

Bongni legte Wert darauf, dass geübte Spielerinnen und Spieler den Ball auf jeder Bahn mit einem einzigen Schlag ins Loch spedieren können.

Die Minigolfregeln kurz erklärt

Box aufklappen Box zuklappen

Im Prinzip geht es beim Minigolf darum, mit einem Schläger – dem so genannten Putter – einen Ball mit möglichst wenigen Schlägen in ein Loch am Ende der Bahn zu schlagen. Dieser Ball hat in der Regel einen Durchmesser zwischen 3.7 und 4.3 Zentimetern.

Wer den Ball nach sechs Versuchen auf einer Bahn nicht eingelocht hat, schreibt sieben Punkte auf und wechselt zur nächsten Bahn. Denn oft wartet bereits die nächste Familie voller Ungeduld und Vorfreude auf ihren Einsatz.

Dank seines klaren und einfachen Regelwerks begann das System Bongni rasch seinen Siegeszug durch das Land: Bereits Ende 1954 gab es 18 Anlagen nach seinem Standard, weshalb die Schweiz gemeinhin als «Mutterland des Minigolfs» gilt.

Person beim Minigolf unter einem bunten Sonnenschirm, von Bäumen umgeben.
Legende: Schweizer Präzisionsarbeit: Vom 20. bis 23. August 1997 fanden in Studen im Berner Seeland die 4. Minigolf-Weltmeisterschaften statt. KEYSTONE/Edi Engeler

Bongni war clever genug, seine Entwicklung unter dem Namen «Minigolf» patentieren zu lassen, was ihre weltweite Verbreitung erleichterte.

Ende 1962 existierten bereits 120 Anlagen in Europa, vor allem in Italien, Österreich und der Schweiz.

Ein Exkurs in die Geschichte

Ohne den Golfsport wäre Bongnis Minigolf wohl nie entstanden. Die Ursprünge des Golfspiels sollen gemäss verschiedenen Quellen bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen, und zwar nach Schottland.

Dort massen sich die Herren mit keulenähnlichen Schlägern und mit Federn ausgestopften Bällen auf einem Feld, an dessen Ende sie ein Loch gegraben hatten.

Der Erfinder des miniaturisierten Golfspiels war Old Tom Morris, einer der ersten Profigolfer der Welt. Doch gespielt wurde damals noch meistens auf Wiesen und Naturflächen, wie im Blog des Schweizer Nationalmuseums zu lesen ist.

Miniaturgolfplatz am See mit Holzskulptur im Vordergrund und Bergen im Hintergrund.
Legende: Minigolfplätze sind oft kleine Oasen, wie etwa dieser hier in Brunnen am Vierwaldstättersee. Keystone / Urs Flüeler

In den USA entwickelte der Engländer James Wells Barber 1916 mit einem Hobbyarchitekten und einem Landschaftsgärtner einen kleinen Golfplatz, der aber «eher an einen barocken Garten als an eine Minigolfanlage» erinnerte.

In der Folge wurde in den USA immer öfter «Garden Golf» oder «Miniature Golf» als Attraktion auf Jahrmärkten angeboten. Die meisten Bahnen waren gerade, einige mit Hindernissen wie Gartenzwergen, Rampen, Windmühlen oder Rohren ausgestattet .

Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt. Zudem entstanden zahlreiche Varianten des kleinräumigen Golfspiels.

Der wahre Schweizer Volkssport

Hierzulande wurde dieser Sport nach den 1950ern immer beliebter. Laut dem Blog des Schweizer Nationalmuseums gewann die Schweiz an den ersten Minigolf-Weltmeisterschaften 1991 in Norwegen gleich drei der vier vergebenen Weltmeistertitel.

Heute betreibt der Verband Swiss Minigolf drei Nationalkader in den Kategorien Jugend, Seniorinnen und Senioren sowie Elite.

In der gesamten Schweiz spielen rund 380 lizenzierte Spielerinnen und Spieler regelmässig an Turnieren.

Zwei Frauen, eine mit Sonnenbrille, betrachten ein Dokument im Freien.
Legende: Beim Minigolf gilt es auch, penibel zu kontrollieren, dass die eigenen Punkte korrekt notiert werden und niemand schummelt. Keystone / Photopress-Archiv / Str

Und natürlich spielen sie nicht mit den gleichen Schlägern und Bällen wie Gelegenheitsspielerinnen und -spieler. Je nach Witterung werden die Bälle von den Profis sogar gekühlt oder gewärmt.

Auch unter Amateurinnen und Amateuren erfreut sich Minigolf ungebrochener Beliebtheit. Längst gilt es in der Schweiz als eine Art Volkssport. Und übrigens: Die Minigolfanlage in Ascona ist bis heute in Betrieb.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 13.7.2026, 6.31 Uhr;liea

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