Wer mit dem Hund unterwegs ist, soll in Chiasso künftig nicht nur den Kot, sondern auch den Urin beseitigen. Das hat der Gemeinderat beschlossen. Nach Angaben der Gemeinde ist eine solche Vorschrift sowohl im Tessin als auch in der übrigen Schweiz bislang einmalig.
Die neue Verordnung tritt Mitte August in Kraft. Künftig gehört zur Hundeausrüstung neben den Kotbeuteln auch eine Wasserflasche: Damit soll Urin direkt verdünnt und gereinigt werden.
Wer gegen die Vorschrift verstösst, wird zunächst verwarnt. Bei einem erneuten Verstoss droht eine Busse von 100 Franken.
Beschwerden als Auslöser
Auslöser für die Regeländerung waren mehrere Beschwerden. «Wir haben zahlreiche Meldungen erhalten – sowohl von Privatpersonen als auch von der Quartierkommission», sagt Stadtpräsident Bruno Arrigoni gegenüber dem Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz (RSI).
Eine Rolle spielten dabei die hohen Temperaturen und die anhaltende Trockenheit. Dadurch seien Gerüche von Hundekot und Urin stärker wahrnehmbar geworden, insbesondere im Ortszentrum.
Im Juni griff auch die Politik das Thema auf und forderte den Gemeinderat in einem Vorstoss auf, Massnahmen zu prüfen.
Sensibilisierung als weiteres Ziel
Für Arrigoni hat die neue Regelung auch einen pädagogischen Zweck. «Es geht darum, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und Hundehalterinnen und Hundehalter stärker in die Verantwortung zu nehmen», sagt er.
Die Gemeinde reinige die Strassen zwar regelmässig mit Hochdruckreinigern, ergänzt Arrigoni. «Aber es ist unmöglich, überall gleichzeitig präsent zu sein.»
Beispiele aus dem Ausland
Mehrere andere europäische Städte sind ebenfalls gegen Hunde-Urin tätig geworden. In Italien haben Parma und Livorno Anfang des Jahres ähnliche Vorschriften wie jetzt in Chiasso eingeführt. In Barcelona drohen bei Nichtbeseitigung von Hunde-Urin Bussen von bis zu 300 Euro, und verschiedene spanische Gemeinden haben Sensibilisierungskampagnen lanciert.