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Zwischen Gaza und Lugano Austausch-Projekt: «Schreiben, als wäre es der letzte Brief»

Ein Briefwechsel zwischen Schülerinnen und Schülern in Lugano und Gaza bringt zwei unterschiedliche Realitäten zusammen. Und schafft Vertrauen in die Zukunft.

«Mein Hobby ist Zeichnen und Gedichte rezitieren. Ich möchte Lehrerin werden, aber ich habe Angst, dass mein Traum nicht in Erfüllung geht. Und ich bin besorgt, dass ich meine Ausbildung nicht abschliessen kann, weil unsere Schulen zerstört wurden und einige meiner Lehrerinnen und Lehrer während des Krieges gestorben sind.»

Das schreibt Batoul, Schülerin an der provisorischen Schule Al-Salam im Gazastreifen in ihrem Briefwechsel mit Marta, Schülerin der Sekundarschule Viganello in Lugano.

Die Tessiner Jugendlichen über ihre Erfahrungen im Austausch:

Das Projekt, das von der Vereinigung «Future in Peace» gefördert wurde, wurde unter aktiver Beteiligung der Schule Viganello realisiert. Seit September schicken die Schülerinnen und Schüler einander Briefe und Zeichnungen. Eine Ausstellung in der Sekundarschule des Luganeser Quartiers hat von diesem Austausch zwischen den gegensätzlichen Realitäten erzählt.

«Am Anfang weiss man nicht, wie man damit umgehen soll, man weiss nicht, was man schreiben soll, weil diese Jugendlichen einen sehr schwierigen Moment durchleben», sagt eine Schülerin aus Viganello gegenüber dem Radio der italienischen Schweiz (RSI). «Man weiss nie», fügt eine andere Schülerin hinzu, «ob man noch einen weiteren Brief schreiben kann, man weiss nicht, ob die Empfängerin noch da sein wird. Man muss ihn immer so schreiben, als wäre es der letzte. Das ist sehr schlimm.»

Kinderzeichnung mit Soldaten, Häusern und spielenden Kindern, daneben Foto eines Mädchens mit Dokument.
Legende: Mit Zeichnungen und Texten erzählen sich die Jugendlichen von ihren Lebenswelten. RSI

Die Briefe, die aus dem Gazastreifen ankommen, erzählen mit Worten und Zeichnungen von den Lebensbedingungen in der provisorischen Schule, aber auch vom familiären Alltag. Batoul hat zum Beispiel geschrieben, «dass sie in Zelten leben, Zelten, in denen sie auch die Schule besuchen. Sie sagt, dass es ihr zusammen mit ihren Freundinnen und Freunden trotz allem gelingt, nicht an die schlimmen Dinge zu denken», erzählt ein weiteres Mädchen der Sekundarschule Viganello.

Alessandro Franciotti, Italienischlehrer an der Luganeser Schule und Mitglied von «Future in Peace», hat die Aktion mit initiiert. Die Erfahrung, die er mit seinen Schülerinnen und Schülern im Rahmen des Projekts gemacht habe, sei positiv.

Die Jugendlichen seien vielleicht undiszipliniert, scheinbar von ihren Problemen und Angelegenheiten eingenommen. «Aber wenn man sie mit Themen und wirklich wertvollen Argumenten anregt, dann reagieren sie und zeigen, dass sie der Situation gewachsen sind», sagt Franciotti.

Das gebe ihm Vertrauen in die Jugend und in die Zukunft.

RSI, Il Quotidiano, 6.5.2026, 19 Uhr;weds

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