Es läuft bei Nati-Coach Murat Yakin. Einerseits führte er sein Team mit dem Sieg gegen Kolumbien zu einem historischen Erfolg: Erstmals in der Fussball-Neuzeit steht die Schweiz in einem WM-Viertelfinal.
Andererseits erlebt er im Netz gerade einen riesigen Hype um seine Person. Weltweit feiern Userinnen und User den 51-Jährigen als «Daddy» – ein Ausdruck, der verwendet wird, um einen äusserst attraktiven älteren Mann zu beschreiben.
In dieser Beziehung am meisten Anklang finden Yakins Anzüge, die Retro-Brille aber auch seine Silberschweif-Haarpracht. Durch diese Attribute sorgt er direkt für mehr Fussballbegeisterung.
Aber auch für mehr Nati-Support aus dem Ausland: «Asi elegimos nuestro equipo favorito» – «So wählen wir unsere Lieblingsmannschaft aus» schreibt beispielsweise diese Userin aus Venezuela.
Die Begeisterung geht bei manchen Fans sogar so weit, dass sie Yakin am liebsten gleich nach der WM nach Hause begleiten würden: «Nimm mich bitte mit in die Schweiz», schreibt diese Userin.
Da Yakin als Trainer während des Spiels nur selten von den Kameras eingefangen wird, wird bereits im Archiv nach weiterem Material gestöbert.
Der Hype beschränkt sich jedoch nicht auf seine «Daddyness». Auch darüber hinaus wird schlicht die «Aura» des Nati-Coachs gefeiert und ihm Respekt gezollt.
Gerade diese «Aura» jedoch ist es, die auch zu – je nach Sichtweise – weniger schmeichelhaften Assoziationen führt. Dass Murat Yakin wie ein Kokain-Dealer aus den 70er-Jahren aussähe, ist der wohl häufigste Vergleich, den man im Internet antrifft.
Etwas schmeichelhafter: der Vergleich mit dem Schauspieler Mads Mikkelsen.
Daneben gibt es aber auch obskurere Verknüpfungen. Wie zum Beispiel, dass Yakin so aussähe, als würde er mit einem Spieler gerade über tschechische Literatur aus der Nachkriegszeit sprechen.
Da Yakins Auftreten und Präsenz so viele Vergleiche und kreative Anspielungen inspiriert, ist es nur konsequent, dass Fans ihn auch als Videospiel-Figuren jedweder Art inszenieren.
Doch der Kult um Murat Yakin lebt längst nicht nur von seinem markanten Erscheinungsbild. Ebenso Anklang finden seine emotionale Art, seine Bodenständigkeit und die Leidenschaft, mit der er an der Seitenlinie mitfiebert.
Und ebenso, dass er trotz Leben neben dem Spielfeld selbst am Ball bleibt. Viele schätzen, dass Murat Yakin kein reiner Theorie-Trainer ist, sondern während den Trainings immer noch selbst vormacht, was er von seiner Mannschaft verlangt.
Dass er den Ball noch immer technisch versiert beherrscht, unterstreicht für viele seine Coolness.
Mit den Erfolgen der Nati und seiner unerwarteten Popularität im Netz ist Yakin also längst zu einer der prägenden Figuren dieser WM geworden – und für viele zum heimlichen Star des Turniers.
Für Fans der Schweizer Nati lohnt es sich deshalb in der Nacht auf Sonntag gleich doppelt, den Wecker zu stellen: wegen des Viertelfinals und wegen des nächsten Auftritts des Mannes, der das Internet derzeit genauso begeistert wie den Fussballplatz. Und in den Augen vieler hoffentlich nicht sein letzter an der WM sein wird.