Die neuen Zölle: Die USA führen neue Zölle gegen 60 Handelspartner ein – und zwar in Höhe von 10 oder 12.5 Prozent, wie das Büro des US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer bekannt gegeben hat. Betroffen sind auch die Schweiz und die Europäische Union. Für die Schweiz gilt grundsätzlich der höhere Zollsatz von 12.5 Prozent. Ausgenommen sind laut den USA unter anderem Produkte, die bereits bestimmten anderen Zöllen unterliegen – zum Beispiel Stahl und Aluminium, aber auch Öl und Gas.
Die bisherigen Zölle: Um 06:01 Uhr Schweizer Zeit traten die neuen Zölle in Kraft – zur gleichen Zeit liefen die bisherigen globalen Zölle von zehn Prozent aus. US-Präsident Donald Trump hatte diese im Februar in aller Eile eingeführt, nachdem der Oberste Gerichtshof die früheren Zölle aufgehoben hatte. Da er diese Zehn-Prozent-Zölle ohne Zustimmung des US-Parlaments jedoch maximal 150 Tage lang erheben konnte, wäre damit am Freitag Schluss gewesen.
Die Höhe des Zollsatzes: Je nach Handelspartner hätten die Untersuchungen entweder Zölle in Höhe von 10 oder 12.5 Prozent als «angemessenen Satz» ergeben, hiess es in der Mitteilung. Die Schweiz wird dort gemeinsam mit unter anderem Taiwan, Japan und der Europäischen Union als Handelspartner genannt, bei denen für die Importe bestimmter Produkte in die USA beide Sätze aufgeführt werden. Für die Schweiz gilt gemäss Unterlagen grundsätzlich der höhere Zollsatz von 12.5 Prozent. Es soll aber weiterhin Ausnahmen geben.
Die Begründung: Trump hält an seiner Zollstrategie fest, um Einnahmen zu generieren, wie USA-Korrespondentin Barbara Colpi sagt. Die neuen Zölle stützen sich auf eine neue Rechtsgrundlage und auf den Vorwurf der Zwangsarbeit. Der US-Handelsbeauftragte Greer sagte auf CNN, wenn ein Land den Import von Waren aus Zwangsarbeit zulasse, führe dies zu unlauterem Wettbewerb. Alle Länder müssten dieselben Regeln haben, so Greer weiter.
Was folgen könnte: Es sei davon auszugehen, dass auch gegen die neuen Zölle Klagen eingereicht werden und sich das Oberste US-Gericht daher früher oder später nochmals mit der Frage nach der Rechtmässigkeit der Zölle beschäftigen müsse, so Colpi. Eine zweite US-Untersuchung sei noch im Gange und würde zusätzliche Zölle bedeuten. Diese zweite Untersuchung ziele auf unfaire und diskriminierende Handelspraktiken ab. Der Vorwurf, der auch gegen die Schweiz erhoben wird, sind angebliche Überkapazitäten in der industriellen Produktion, die den Wettbewerb verzerren würden. Bundesrat Guy Parmelin bekräftigte Ende Juni in Washington die von der Schweiz und den USA unterzeichnete Absichtserklärung. Diese sieht vor, dass die USA auch in Zukunft grundsätzlich nicht mehr als 15 Prozent Zölle auf Schweizer Waren erheben sollen.
Reaktionen aus der Schweiz: Die Schweiz weist die im Rahmen der US-Untersuchungen vorgebrachten Vorwürfe zur Zwangsarbeit entschieden zurück, wie das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) schreibt. Und: Die Schweiz strebe weiterhin ein rechtsverbindliches Abkommen mit den USA an. Für den Schweizer Wirtschaftsdachverband Economiesuisse ist der jüngste US-Zoll-Entscheid «weder nachvollziehbar noch gerechtfertigt». Er benachteilige Schweizer Unternehmen gegenüber Wettbewerbern aus Ländern mit tieferen Zollsätzen, darunter EU-Staaten und Grossbritannien. Die Unsicherheit für Schweizer Unternehmen bleibe aufgrund der laufenden zweiten Untersuchung weiterhin bestehen.