Darum geht es: In den nächsten 25 Jahren wird sich die Zahl der Autos auf dem afrikanischen Kontinent voraussichtlich verdoppeln. Wie Fahrzeuge dereinst mit Solarstrom statt mit Benzin betrieben werden, ist noch kaum absehbar. Doch eine aktuelle Studie von ETH Zürich, Paul-Scherrer-Institut und afrikanischen Partneruniversitäten zeigt: Elektroautos sind in vielen Regionen Afrikas konkurrenzfähiger als bisher gedacht. Da viele Fahrzeugbesitzerinnen und -besitzer ihre Autos über eigene Solaranlagen laden könnten, werde die E-Mobilität ab 2040 günstiger als der Besitz eines Verbrenners, so die Forschenden.
Ghana als Beispiel: In der ghanesischen Hauptstadt Accra seien seit ungefähr einem Jahr vermehrt Elektroautos zu beobachten, schildert der dort stationierte SRF-Afrika-Korrespondent Fabian Urech. Diese stammten fast ausschliesslich aus China. Chinesische Hersteller hätten jüngst einige Verkaufslokale in Accra eröffnet. Trotzdem steht Ghana laut Urech punkto Elektromobilität noch ganz am Anfang: Neuste Regierungszahlen sprechen von rund 1000 Elektroautos im ganzen Land mit 35 Millionen Menschen und einer Fläche fast sechsmal grösser als die Schweiz. Dazu kommen rund 15'000 Elektromotorräder. Doch die Infrastruktur mit Elektroladestationen fehle selbst in der Hauptstadt Accra noch weitgehend.
Preis als Hauptkriterium: Die neue Studie geht davon aus, dass private Solaranlagen für die E-Mobilität in Afrika zukunftsweisend sein könnten. Die Forschenden stellen aber auch fest, dass die hohen Finanzierungskosten für ein neues Auto wie auch für eine Solaranlage in vielen afrikanischen Ländern noch grosse Hürden darstellen. In Ghana etwa mit einem monatlichen Durchschnittseinkommen von zwei- bis dreihundert Franken bleibe der Kauf eines Autos für die meisten ohnehin illusorisch, so Korrespondent Urech. Selbst wer sich ein Auto leisten könne, nehme den Preis als wichtigstes Kriterium. Den Luxus, etwas zu kaufen, das kurzfristig teurer und erst auf die Dauer günstiger sei, könnten sich viele nicht leisten. Kredite seien zudem sehr teuer und für Normalverdienende ebenso keine Option.
Grosse Länderunterschiede: Insgesamt erscheine die Einschätzung der Forschenden mit Blick auf die steigende Anzahl privater Solaranlagen plausibel, doch müsse wohl bei den über 50 afrikanischen Ländern stark differenziert werden, so Urech. In Äthiopien etwa, wo bereits heute genügend günstiger Strom vorhanden sei, fördere die Regierung die Elektromobilität intensiv. In Nigeria wiederum mit seinem veralteten Stromnetz und deutlich günstigeren Benzin seien Verbrenner-Autos noch viel konkurrenzfähiger. Elektroautos können sich in Afrika also nur bei einem konkurrenzfähigen Anschaffungspreis durchsetzen, schätzt Urech.