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Fussball-Näherinnen WM-Bälle werden in Pakistan genäht – und verbessern Frauenleben

70 Prozent aller Profibälle entstehen in der Stadt Sialkot. Warum dies dort Tradition ist und dabei Frauen empowert.

Darum gehts: Wenn an der WM in den USA und Kanada bald der Ball rollt, ist der garantiert handgenäht – und kommt aus Pakistan. Die Stadt Sialkot im Nordosten des Landes gilt als Hauptstadt der Fussballproduktion: 70 Prozent aller handgenähten Fussbälle weltweit stammen von hier – auch die Fifa-Bälle für die WM 2026.

Das Geschäftsmodell Fussballproduktion: In den Profibällen steckt viel Handarbeit. Bis heute werden sie von Hand zusammengenäht. In Sialkot gilt das Handwerk schon fast als Tradition: Über 1000 Menschen arbeiten in den Ballfabriken – und das seit rund 50 Jahren. Ein wichtiger Meilenstein sei in den 1990er-Jahren gewesen, sagt ARD-Korrespondentin Lena Bodewein, die dazu eine Reportage aus Sialkot gemacht hat. Seit den 90er-Jahren lässt Adidas seine Fussbälle in Pakistan fertigen.

Damit wurde unsere Handwerkskunst aus Sialkot anerkannt.
Autor: Ahsan Naeem Fabrikbesitzer

Die Geschichte des Fussballnähens: Der Erzählung nach begann alles mit der britischen Kolonialmacht: «Ein Fussball, den britische Soldaten mitgebracht hatten, ging kaputt. Die Bewohner der Stadt haben ihn repariert – offenbar mit viel Geschick», erzählt Bodewein. Fabrikbesitzer Ahsan Naeem ergänzt: «Damit wurde unsere Handwerkskunst aus Sialkot anerkannt.» Naeem betreibt eine der vielen Fabriken: 14'000 Fussbälle produziert sein Team täglich.

Darum setzen die Fabriken auf Frauen: In den Fabriken arbeiten zwar Männer und Frauen. Doch viele setzen besonders auf Frauen: «Die Frauen sind zuverlässiger als Männer und bleiben länger bei der Firma. Und wenn sie dann doch wechseln, erzählen sie keine Firmengeheimnisse weiter, wie es manche Männer schon taten», so Naeem. Um mehr Frauen als Näherinnen zu gewinnen, gingen die Unternehmen gar neue Wege: «Manche haben eine eigene Kantine oder extra Gebetsbereiche für Frauen eingerichtet – und es gibt jetzt sogar eine Kinderbetreuung in Sialkot», sagt die ARD-Korrespondentin Bodewein. 35 bis 40 Prozent der Mitarbeitenden sind inzwischen Frauen.

Der Lohn des Mannes reicht wegen der Inflation oft nicht aus.
Autor: Lena Bodewein ARD-Korrespondentin

Der positive Effekt auf die Gesellschaft: Für die Familien dieser Frauen ist das zusätzliche Geld wichtig. «Der Lohn des Mannes reicht wegen der Inflation oft nicht aus», sagt Bodewein. Verdient die Frau als Ballnäherin mit, hat das positive Effekte, bestätigt der Arbeitsrechtler Nabeel Amin. Dank dem höheren Einkommen konnten die Familien ihre Kinder zur Schule schicken, sich bessere Einrichtung und auch bessere Kleidung leisten: «Es hat die Armut gelindert, das kann man hier in Sialkot deutlich beobachten». Die ganze Stadt profitiere davon, sogar neue Universitäten hätten sich angesiedelt, so Bodewein: «Das ermöglicht es wiederum mehr Frauen, künftig zu studieren.» Oder wie es Arbeitsrechtler Amin formuliert: «Die Stärkung der Frauen ist der Schlüssel.»

Die Arbeitsbedingungen der Näherinnen: Anders als in vielen Privathäusern gibt es in den Fabriken immer Wasser und auch Klimaanlagen. «Solche Dinge sind bei der hiesigen Hitze wichtig», sagt Bodewein. Viele Fabriken setzen auf Solarenergie. Weil sie für europäische Kunden arbeiten, müssen die Fabriken die EU-Nachhaltigkeits­richtlinien einhalten und in grüne Energie investieren. Im Gegensatz dazu klingt der Lohn der Näherinnen für europäische Ohren erschreckend tief. «Wir haben mit einer Näherin gesprochen, die mit einem Monatslohn von 28 Euro eingestiegen ist. Nach 11 Jahren hat sie sich auf 155 Euro pro Monat hochgearbeitet», sagt die ARD-Journalistin. Doch: Das entspricht dem mittleren Lohnniveau in Pakistan.

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SRF 4 News, 4.6.2026, 07:25 Uhr ;ard/flal;liea

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