Die EU reagiert damit auf wachsende Kritik, dass grosse Tech-Konzerne keine funktionierenden Alterskontrollen einrichten würden, die verhindern, dass Kinder im Internet pornografische oder gewaltverherrlichende Inhalte sehen können.
Die neue Online-Altersprüfung soll so einfach sein, wie wenn heute per Ausweis in einem Laden das Alter geprüft wird, beim Verkauf von Alkohol etwa. Das verspricht die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen.
Komplett anonym und kostenlos
Das Online-Zertifikat kann mit einem Pass, einer ID oder E-ID erstellt werden. Die App erfüllt die höchsten Anforderungen an den Datenschutz und speichert keinerlei persönliche Daten. Ausserdem ist sie komplett kostenlos. Es dürfe nicht sein, dass für eine effektive Altersüberprüfung private Online-Anbieter Gesichter ihrer Nutzerinnen scannten oder biometrische Daten aus einem Pass auslesen könnten, so EU-Kommissarin Henna Virkunnen, verantwortlich für den digitalen Binnenmarkt.
Der europäische «Digital Services Act» verpflichtet Internet-Konzerne wie Facebook, Tiktok oder Temu, gegen rechtswidrige Inhalte auf ihren Plattformen einzuschreiten. Einzelne EU-Staaten haben zudem Alterslimiten für die Nutzung von sozialen Medien beschlossen.
Das Durchsetzen solcher Einschränkungen ist nur mit einer zuverlässigen, anonymen Online-Altersüberprüfung möglich, was bisher in der EU fehlte. Ein ähnliches System hatte die EU bereits während der Corona-Pandemie eingeführt für das Erstellen von Reise-Zertifikaten. Das damalige europäische Corona-Zertifikat wurde weltweit zu einem Standard.
Auch die Schweiz ist daran, entsprechende Vorgaben an Internet-Konzerne zu beschliessen. Die technische Lösung der EU steht Drittstaaten offen, könnte dereinst also auch in der Schweiz eingesetzt werden.