Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Korruption in den USA «Beunruhigende» Zeichen von Insiderhandel in der Trump-Regierung

Seit einem Jahr kommt es wiederholt zu verdächtigen Deals. Es geht um Millionen, höchste Kreise sollen involviert sein.

Egal, ob es um US-Zölle oder um Militäraktionen in Venezuela oder im Iran geht: Regelmässig kam es im Vorfeld dieser Entscheidungen zu auffälligen Transaktionen am Finanzmarkt. Insider wetteten auf die richtigen Trends und verdienten damit Millionen Dollar.

Das Timing der Transaktionen ist mehr als auffällig.
Autor: Andrew Verstein Rechtsprofessor an der University of California

Andrew Verstein ist Rechtsprofessor an der University of California und spezialisiert auf Insiderhandel. «Das Timing der Transaktionen ist mehr als auffällig», sagt er. Zwar wisse man nicht, wer hinter den Transaktionen stecke, aber sie seien alle «höchst verdächtig und beunruhigend», so Verstein.

Es geht um Millionen Dollar

So habe jemand eine halbe Million Dollar verdient, indem er kurz vor der Entführung des venezolanischen Präsidenten Maduro genau darauf gewettet habe.

Andere hätten Millionen verdient, indem sie Stunden vor dem Militärschlag gegen den Iran auf höhere Ölpreise setzten. «Es gibt viele Fälle, deren Timing extrem bemerkenswert ist», so der Insiderhandel-Spezialist.

Wenn etwas aussieht wie eine Ente, und quakt wie eine Ente, dann ist es vermutlich eine Ente.
Autor: Michael Rubin Arbeitet für den Thinktank American Enterprise Institute

Noch deutlichere Worte findet Michael Rubin vom konservativen Thinktank American Enterprise Institut in Washington D.C. «Es sieht aus wie Korruption, es riecht nach Korruption – und wie das englische Sprichwort sagt: Wenn etwas aussieht wie eine Ente, und quakt wie eine Ente, dann ist es vermutlich eine Ente», so Rubin.

Noch nie in der US-Geschichte sei eine Administration so korrupt gewesen wie die aktuelle.

Unter Trump gibt es keine Schranken

Rubin hatte einst beim Pentagon gearbeitet. Damals hätten alle Angestellten in der Administration mit Entscheidungsmacht ihre persönlichen Portfolios offenlegen müssen – um Interessenkonflikte auszuschliessen, erzählt er.

Person an geöffneter Tür, mit Blick nach draussen, zwischen US-Flaggen.
Legende: Es besteht der Verdacht, dass unter der aktuellen US-Regierung Personen in hohen Ämtern in Insiderhandel verstrickt sind und versuchen, sich illegal zu bereichern. Doch Präsident Trump und die Börsenaufsicht SEC schauen weg. Reuters/Kevin Lamarque

Die Trump-Regierung aber habe alle Leitplanken und Sicherheiten niedergerissen, die verhinderten, dass Entscheidungsträger finanziell von ihren Entscheidungen profitierten.

Bei Aktien oder Optionen gibt es Prozesse, wie man herausfindet, wer es war. Doch bei Polymarket fehlt das Wissen dazu.
Autor: Andrew Verstein Rechtsprofessor an der University of California

Laut Medienberichten reicht die Korruption bis ganz nach oben in der Administration: Verteidigungsminister Pete Hegseth soll versucht haben, kurz vor dem Angriff auf den Iran Rüstungsaktien zu kaufen. Das Pentagon streitet diese Darstellung allerdings ab.

Insider-Platzierungen auch vor der Waffenruhe

Box aufklappen Box zuklappen

Auch am Mittwoch, vor der Ankündigung der Waffenruhe im Nahen Osten, kam es erneut zu auffälligen Bewegungen auf Polymarket: Insider wetteten nur Minuten vor Trumps Ankündigung darauf, dass die Waffenruhe kommt – obwohl nach Trumps Drohungen niemand damit gerechnet hatte.

Das zeigt eine Analyse öffentlicher Daten durch die Krypto-Analyseplattform Dune. Demnach wurden mindestens 50 Konten oder Wallets mit Wetten platziert. Insgesamt strichen die Besitzer der Wallets mehrere Hunderttausend Dollar an Gewinnen ein. (AP)

Für Michael Rubin ist der Verdacht schockierend. Denn: «Je höher der Rang, desto mehr Einfluss haben Entscheidungen auf die Finanzmärkte.»

Die Börsenaufsicht schaut zu

Rechtsprofessor Andrew Verstein doppelt nach: Zwar gebe es in allen Ländern Politiker, die manchmal versuchten, ihre Position auszunutzen. Aber der Fall Hegseth sprenge alles. Allein Hegseths Versuch, sich bereichern zu wollen, sei Basis für eine Insider-Untersuchung, sagt Verstein.

Die US-Börsenaufsicht SEC wird von einem Trump-Anhänger geführt. Und so blieb sie bisher untätig. Und jene Behörde, die die Terminmärkte reguliert – die CFTC – ist personell stark dezimiert. Zudem verfügt sie teilweise über zu wenig Knowhow.

Vor allem auf Prognoseplattformen wie Polymarket, die auf Blockchain und Krypto basieren, und wo anonym gehandelt wird, gebe es keine Kontrolle, kritisiert Andrew Verstein. «Bei Aktien oder Optionen gibt es Prozesse, wie man herausfindet, wer es war. Doch bei Polymarket fehlt das Wissen dazu.»

Insider-Transaktionen werden deshalb gerne über Prognoseplattformen abgewickelt. Und an einer von diesen ist die Trump-Familie selber beteiligt.

Rendez-vous, 9.4.2026, 12:30 Uhr;weds

Meistgelesene Artikel