In wenigen Tagen starten die Olympischen Spiele in Norditalien. In Livigno tragen die Freestylerinnen und Freestyler ihre Wettbewerbe aus – und für ihre Sicherheit auf den Parcours und Pisten verantwortlich ist Pascal Perret.
Der 37-Jährige FIS-Funktionär und Skilehrer aus Arosa hat in diesen Tagen alle Hände voll zu tun, denn die Arbeiten sind im Verzug. An Olympia mitwirken zu können, ist für ihn besonders. «Das ist das Ziel jedes Offiziellen. Es gibt nichts Grösseres», sagt er. Und dennoch: Die Tage vor dem Start verlangen starke Nerven.
Die Aufgabe: Sicherheit am Berg
Acht Uhr morgens, der Funk knistert. «Buongiorno – guten Tag an alle in Livigno. Gut, der Nächste ist auch wach», ruft Pascal Perret quasi zum Morgenappell. Er sollte nun eigentlich Fangnetze, Absperrungen, Sicherheitsmatten installieren, kurz: alles, was verhindert, dass Athletinnen und Athleten zu Schaden kommen.
Derzeit muss er allerdings überall mithelfen, damit alles so weit ist, dass er überhaupt das Sicherheitsmaterial – es sind rund 30 Kilometer Sicherheitsnetze und Absperrgitter – aufstellen kann.
Weil der extra für Olympia gebaute Sessellift noch nicht zugelassen ist, kommen die Teams nur zu Fuss oder mit dem Schneemobil nach oben.
Das bedeutet viel Zeitverlust, sagt Pascal Perret. «Wenn du 20 Gebirgssoldaten hochshuttlen musst, geht das pro Fahrt zehn Minuten. Bis alle oben sind, verlierst du enorm viel Zeit.»
100 Gebirgssoldaten – viele ohne Schnee-Erfahrung
Perret kann auf eine Gruppe von bis zu 100 italienischen Gebirgssoldaten zurückgreifen. Viele kommen aus Süditalien und arbeiten erstmals bei minus 16 Grad. Pascal Perret, der wegen seines auffälligen Helms «Pinky Pascal» genannt wird, instruiert sie. Mit etwas Wohlwollen, der richtigen Mischung aus Ansporn und Wertschätzung funktioniert die Zusammenarbeit. «Am Abend muss alles fertig sein», ruft er ihnen zu.
Die «Shaper» der Halfpipe liegen im Zeitplan, andere Disziplinen hinken hinterher. «Zeitlich, da müssen wir ehrlich sein, weil es ein bekanntes Problem ist: Wir haben überall ein wenig Verspätung.»
Arbeiten unter Zeitdruck
Perret muss das Sicherheitsmaterial an die richtigen Orte auf den Berg bringen. Seine Arbeit wird erschwert, weil demnächst der gesamte Wettkampfbereich abgeriegelt wird.
Am nächsten Tag wird die Polizei das Gelände auf Sprengstoff durchsuchen, und danach wird der Zugang komplizierter. Deshalb will er so viel Sicherheitsmaterial wie möglich entlang der Fahrstrecken deponieren – ohne die Pistenarbeiter zu behindern.
Trotz Stress: Olympia als Antrieb
Trotz aller Schwierigkeiten verliert er den Humor nicht. Für alle hat er eine kleine Party organisiert – als Dank für die harte Arbeit in eisiger Kälte. Obwohl er viel Geduld braucht, sagt er: «Am Schluss ist bei den Italienern immer alles gemacht, und es funktioniert. Domani, domani – aber es kommt gut.»
An Olympia dabei zu sein, ist für den FIS-Funktionär das höchste der Gefühle: «Wir machen das für die Athleten, für den Sport. Dafür schlägt mein Herz.» Dafür steckt «Pinky Pascal» auch die langen Arbeitstage weg.