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Nach Brand in Crans-Montana Italiens Botschafter kehrt noch immer nicht nach Bern zurück

Bei einer Gedenkfeier in Crans-Montana ist der italienische Botschafter nicht dabei, sondern sein Stellvertreter.

Gedenkfeier ohne Botschafter: An der Gedenkfeier am Mittwoch in Crans-Montana, drei Monate nach der Brandkatastrophe, wird Italiens Botschafter Gian Lorenzo Cornado nicht teilnehmen – stattdessen reist die Nummer zwei der Botschaft an. Offiziell ist unklar, wann er zurückkehrt. Gegenüber SRF hiess es lediglich, die Regierung habe darüber «noch nicht entschieden». Seine Abwesenheit dauert damit bereits über zwei Monate. «Das ist schon sehr aussergewöhnlich und kein gutes Zeichen», erklärt SRF-Italien-Korrespondent Franco Battel. «Den Botschafter abzuziehen, das ist eigentlich etwas, das man unter benachbarten und befreundeten Staaten so nicht tut.»

Deshalb hat Italien den Botschafter zurückgerufen

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Gian Lorenzo Cornado am 3. Januar in Crans-Montana.
Legende: Gian Lorenzo Cornado am 3. Januar in Crans-Montana. Keystone / JOHN LEICESTER

Ende Januar wurde der italienische Botschafter in der Schweiz, Gian Lorenzo Cornado, nach Rom zurückgerufen. Dies, nachdem das Zwangsmassnahmengericht in Sitten die Freilassung von Jacques Moretti – dem Betreiber der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana – angeordnet hatte. «In den Medien, in den Kommentarspalten, aber auch wenn man mit den Leuten sprach, herrschte darüber in Italien grosses Unverständnis», erklärt SRF-Korrespondent Battel. Aus dieser Gemütslage heraus hat Rom den Botschafter damals zurückgerufen.

Warum hält Giorgia Meloni daran fest? Die anhaltende Abwesenheit des Botschafters sorgt für Irritationen. «Seit Jahren, ja Jahrzehnten, ist so etwas nicht mehr vorgekommen», so Battel. Spannend sei, dass die italienische Seite sich aktuell dazu gar nicht äussert. Weder das Aussenministerium in Rom nimmt Stellung, noch sagt Premierministerin Meloni etwas dazu. Es könne allerdings sein, dass der Botschafter bald zurückkehre, seine Abwesenheit habe nun einfach zu lange gedauert.

Was für ein Ziel hat Italien? Meloni forderte zuerst ein gemeinsames Ermittlerteam mit der Schweiz – ein offizielles Gesuch dafür blieb jedoch aus. Beobachterinnen und Beobachter vermuten, dass hinter der Forderung auch innenpolitisches Kalkül steckt, also dass Meloni damit beim italienischen Publikum punkten will. Inzwischen aber arbeiten die Staatsanwaltschaften beider Länder zusammen, die bisherigen beiden Treffen wurden als «gut und produktiv» bewertet, deshalb ist mittlerweile nicht mehr ganz klar, warum Meloni noch damit wartet. Eine mögliche Erklärung: «Italien hat gerade grössere Probleme als die Rückkehr des italienischen Botschafters nach Bern», sagt Battel.

Wie geht es weiter? Das hänge stark davon ab, wie sich die «Affäre Crans-Montana» weiterentwickelt, insbesondere hinsichtlich der Suche nach Schuldigen, des Strafmasses und der Entschädigung für die Opfer. Es lässt sich jedoch schon jetzt sagen, dass das Verhältnis «gelitten» hat, sagt Italienkorrespondent Franco Battel.

SRF4 News, 31.3.2026, 16:15 Uhr ; 

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