«Ayatollah Ali Chamenei war wie ein Vater für uns Schiiten», sagt Imam Seyed Behbahani. Der Iraner leitet Gebete in einer schiitischen Gemeinde in Genf. Die Gemeinde trauere um ihren Anführer. An diesem Freitag stehen schwarze Diplomatenwagen vor dem Gebäude. Schiiten aus mehreren Ländern, darunter regierungstreue Iraner, halten das Mittagsgebet ab.
Umstrittene Moscheen
Behbahani ist Mitglied im iranischen Netzwerk «Götterdämmerung», das sich laut eigener Website zum Ziel gesetzt hat, den reinen Islam zu verbreiten und das Fundament für eine islamische Zivilisation zu legen. Auf die Repression des Regimes angesprochen, sagt Seyed Behbahani: «Es ist nicht die Doktrin der Regierung, die Leute zu unterdrücken.» Seine Predigten seien mit den demokratischen Werten der Schweiz vereinbar.
Es ist eine Minderheit unter den Iranern in der Schweiz, welche die Regierung befürwortet. Doch die Mitglieder der Genfer Gemeinde sind nicht die einzigen Unterstützer. In einem Gewerbegebäude in Schlieren gehört ein Stockwerk der iranischen Republik. Dies machte die «NZZ am Sonntag» publik. Darin befindet sich ein weiteres islamisches Zentrum. Ein Interview mit der «Rundschau» lehnt der Verein ab, schreibt aber, man handle unabhängig vom iranischen Staat.
Der Präsident des Schlieremer Zentrums ist Mahmood Khalilzadeh. Laut den deutschen Behörden gehört er zum politisch-religiösen Establishment der Islamischen Republik. Er leitete auch das Zentrum der islamischen Kultur in Frankfurt. Dieses wurde 2024 als Teil der Hamburger Imam-Ali-Moschee vom deutschen Innenministerium wegen Extremismus und Verbreitung der sogenannten «islamischen Revolution» geschlossen. Die Schiiten haben gegen die Schliessung geklagt, das Verfahren läuft. Der Schlieremer Verein schreibt, ihr Präsident sei eine «unpolitische und religiöse Persönlichkeit, die allgemeine Akzeptanz» geniesse.
Regierungsnahe Studenten
Auch an der ETH Lausanne (EPFL) sind Anhänger des iranischen Gottesstaates aktiv. Recherchen zeigen: Ein ehemaliger Doktorand der EPFL hatte an einer Universität in Teheran eine Führungsrolle in der Basij-Studentenorganisation, einem Freiwilligennetzwerk mit paramilitärischem Arm. Islamwissenschaftler Reinhard Schulze findet das problematisch: «Die Basij wurden explizit deshalb gegründet, um jede Reformbewegung an den Universitäten im Keim zu ersticken.»
In der Schweiz war der Doktorand Mitglied einer schiitischen Studentenverbindung, die auch Koranstunden an der EPFL abhielt. Das zeigen Videos auf ihrem YouTube-Kanal. Gegenüber der «Rundschau» weist der ehemalige Doktorand alle Vorwürfe zurück. Die EPFL betont in ihrer Stellungnahme, religiöse Anlässe in ihren Räumlichkeiten seien verboten.
Auch andere Iranerinnen und Iraner an der EPFL standen dem Regime in Teheran nah. Vor einem Jahr wurde die Hochschule Schauplatz einer Spionageaffäre: Ein ehemaliger iranischer Doktorand soll Technologie für Kampfdrohnen in sein Heimatland geschmuggelt haben.
Auch die Tochter des Teheraner Bürgermeisters studierte in Lausanne. Dazu hält die Hochschule fest: «Die EPFL hat keine rechtliche Grundlage, ausländischen Studierenden den Zugang zu verweigern, wenn sie die akademischen Kriterien und die der Behörden erfüllen.»