- Starbucks wirbt damit, dass die Kaffeebeschaffung besonders ethisch sei und vor allem die Produzentinnen in Lateinamerika, Afrika und Asien von diesem Aufpreis profitieren.
- Eine Studie zeigt nun, dass Starbucks den kaffeeproduzierenden Ländern durch ein ausgeklügeltes Handelskonstrukt Millionen von Steuergeldern entzieht.
- Zudem profitieren nicht primär die lokalen Kaffeebäuerinnen vom teuren Kaffee, sondern Starbucks und seine Aktionäre.
- Drehscheibe ist eine wenig bekannte, aber zentrale Tochterfirma, die Starbucks Coffee Trading Company, mit Sitz in Lausanne.
Mit dieser Tochterfirma wickle Starbucks den sogenannten Transithandel ab, sagte Jason Ward vom Zentrum für internationale Unternehmenssteuerverantwortung und Forschung Cictar.
Dieser Handel erfolgt auf dem Papier in der Schweiz, obwohl die Kaffeebohnen nie in die Schweiz gelangen.
Dieser Handel funktioniere folgendermassen: Die Tochterfirma in der Schweiz kauft die grünen Bohnen in Kolumbien ein und verkauft sie direkt an Starbucks-Röstereien und Gesellschaften in den USA, den Niederlanden oder China weiter.
Dieser Handel erfolgt auf dem Papier in der Schweiz, nicht in Kolumbien, obwohl die Kaffeebohnen nie in die Schweiz gelangen. Bei diesem Weiterverkauf schlägt die Starbucks Coffee Trading Company bis zu 18 Prozent Marge drauf.
Ein Aufschlag von bis zu 18 Prozent sei überhöht und nicht glaubwürdig, kritisierte bereits 2015 die Europäische Kommission den Aufschlag der Schweizer Firma in einer Untersuchung. Trotz dieser Kritik bestehe das Modell bis heute fort, so Ward.
Starbucks rechtfertigt die hohe Marge in der Schweiz mit Kosten für intellektuelles Eigentum und für sein Programm für ethischen Kaffee, insbesondere die sogenannten «Farmer Support Centers».
Doch genau hier setzt die Kritik der Studie an. Die Cictar-Recherche findet keine Hinweise auf nennenswerte Kosten für intellektuelles Eigentum. Die Auswertung zeige, dass Starbucks sehr wenig Geld in diese «Farmer Support Centers» steckt. Deren Kosten seien minimal und rechtfertigen den hohen Aufschlag nicht, so Ward.
Starbucks hat mit dem Transithandel über 1.3 Millionen US-Dollar Gewinn verbucht.
Laut Studie liegen die jährlichen Betriebskosten dieser Zentren offenbar deutlich unter einer Million US-Dollar pro Land, weltweit zusammengerechnet vermutlich bei rund 5 Millionen Dollar pro Jahr. Starbucks habe jedoch mit dem Transithandel in den letzten zehn Jahren schätzungsweise über 1.3 Milliarden US-Dollar Gewinn verbucht.
Gewinne, die zudem nicht in den kaffeeproduzierenden Ländern versteuert werden, sondern in der Schweiz, einem Land mit tiefen Steuersätzen für internationale Handelsgesellschaften. Der Kaffeekonzern schreibt dazu auf Anfrage, Starbucks halte sich weltweit vollständig an die geltenden Steuergesetze.
Minimale Unterstützung für die Kaffeebauern und Steuergelder, die in die Schweiz fliessen statt in die kaffeeproduzierenden Länder – das sei zwar legal, sagt Ward, aber: Mit ethischer Beschaffung habe das nichts zu tun.