Heute beginnt in Davos das Hauptprogramm des Weltwirtschaftsforums WEF – überschattet vom Konflikt um Grönland und neuen Zolldrohungen von US‑Präsident Donald Trump. Mit höheren Importabgaben will Trump europäischen Ländern den Widerstand gegen seine Pläne rund um Grönland ausreden.
Solche Zölle treffen allerdings in erster Linie die USA selbst. Das zeigt eine neue Studie des Kiel Instituts für Weltwirtschaft. Die Forschenden kommen zum Schluss, dass die Preise trotz der von Trump in den ersten Monaten seiner zweiten Amtszeit eingeführten Zölle kaum gesunken sind.
190 Milliarden aus den Taschen der US‑Bevölkerung
Nur in rund vier Prozent der Fälle hätten europäische oder andere ausländische Exporteure die Abgaben über tiefere Preise kompensiert. In allen anderen Fällen bezahlen die US‑Importeure den Aufschlag – und geben ihn an ihre Kunden weiter, also an die US-Konsumentinnen.
Die US‑Regierung weist für das vergangene Jahr Zolleinnahmen von rund 200 Milliarden Dollar aus. Davon kommen laut der Studie 190 Milliarden letztlich aus den Taschen der US‑Bevölkerung.
Das Hamburger Forschungsteam wertete Daten aus Frachtbriefen von mehr als 25 Millionen per Schiff in die USA gelieferten Sendungen aus. Aus Angaben zu Gewicht und Menge liessen sich tagesgenau die effektiven Importpreise berechnen.
Auf europäische Produkte angewiesen
Dass die Zölle so leicht weitergegeben werden können, erklären die Studienautorinnen und -autoren mit mehreren Faktoren: US‑Importeure seien stärker auf bestimmte europäische Produkte angewiesen, als erwartet – kurzfristige Alternativen gebe es kaum.
Europäische und auch Schweizer Exporteure wiederum verkaufen lieber weniger Ware in die USA, als Preise zu senken. Für viele Produkte haben sie überraschend rasch andere Absatzmärkte gefunden.
Die Studie analysiert auch jüngste US‑Zölle gegen Indien und Brasilien und kommt ebenfalls zum Schluss, dass die Hauptlast bei amerikanischen Konsumentinnen und Konsumenten landet.
Auch Europa spürt die Folgen
Sollte Trump im Streit um Grönland wie angekündigt neue, deutlich umfassendere Zölle gegen einzelne EU‑Länder verhängen, wären ähnliche Auswirkungen zu erwarten, sagt SRF-Wirtschaftsredaktor Klaus Ammann.
Dennoch spüren auch europäische Unternehmen die Folgen deutlich. Zwar müssen sie die Zölle nicht selbst bezahlen, doch ihre Ausweichmöglichkeiten sind begrenzt. In mehreren Branchen sind die Exporte in die USA bereits spürbar zurückgegangen – mit Folgen wie Produktionsrückgängen und Kurzarbeit.
Für mögliche neue Zölle im Zusammenhang mit Grönland wird etwa für Deutschland ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um bis zu ein Prozent des BIP befürchtet.