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Schweizer Tech-Industrie Industrie kommt nicht zur Ruhe – noch mehr Kurzarbeit

Die Firmen der Tech-Industrie sind unter Druck. Die Unsicherheiten belasten. Die Unternehmen setzen auf Kurzarbeit.

Neue Zahlen: Die Firmen der Tech-Industrie stellen derzeit so viele Anträge auf Kurzarbeit wie nie zuvor seit Corona. Allein im November haben 814 Unternehmen aus der Tech-Industrie bei den Behörden entsprechende Voranmeldungen eingereicht, das ist der höchste monatliche Wert seit der Pandemie vor fünf Jahren. Im Sommer zeichnete sich zunächst eine leichte Entspannung ab – doch im Herbst verschlechterte sich die Lage in der Industrie erneut. Im letzten Quartal gab es mehr als doppelt so viele Voranmeldungen als zum Beispiel noch vor zwei Jahren. Es sind Firmen aus dem Bereich der Maschinen-, Elektronik- und Metallindustrie. Die Zahlen der definitiven Abrechnungen von Kurzarbeit meldet das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco jeweils mit einer dreimonatigen Verzögerung.

Enormer Druck: «Firmen, die Kurzarbeit beantragen, machen das nicht ohne Not», sagt Eva Bruhin, Geschäftsleitungsmitglied des Branchenverbandes Swissmem. Nicht alle Firmen würden dann zwar effektiv Kurzarbeit im Betrieb einführen, aber die Voranmeldung sei jeweils ein erster Schritt. Mit der Kurzarbeit wollen Firmen einen Abbau von Stellen verhindern und Fachkräfte im Betrieb halten. Mit Kurzarbeit können die Firmen die Lohnkosten reduzieren, bis sich die Situation verbessert.

Abbau trotz Kurzarbeit: Falls Sparmassnahmen und ein reduzierter Betrieb nicht helfen, dann gehen Stellen verloren. Gemäss Zahlen von Swissmem hat die Branche in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres bereits 6900 Arbeitsplätze abgebaut. «Im vierten Quartal ist es wohl ähnlich weitergegangen», sagt Bruhin. Es gebe zwar keine Welle von Massenentlassungen, aber die Firmen würden laufend restrukturieren und den Personalbestand reduzieren. In der Branche arbeiten per Ende September 2025 insgesamt 323'400 Personen. Jahrelang konnten die Firmen Stellen schaffen, doch das vergangene Jahr brachte die Wende und den Abbau. 

Unsicherheit belastet das Geschäft: «Das Schlimmste für die Unternehmen ist die Unsicherheit», sagt Eva Bruhin von Swissmem weiter. Es sei sehr schwierig zu planen und die Strategie festzulegen. Die Zölle in den USA seien nur ein Beispiel. Was heute gelte, könne morgen wieder ändern. Es gibt keine andere Branche, in welcher Kurzarbeit so verbreitet ist wie in der Industrie. Das hat damit zu tun, dass die Industriebetriebe stark von den Exporten – und damit der Konjunktur in den Absatzmärkten – abhängig sind und da gibt es grosse Schwankungen.

Lange Durststrecke: «Die fehlende Nachfrage aus dem Ausland ist für die Schweizer Industrie die grösste Herausforderung», sagt Fredy Hasenmaile, Chefökonom der Raiffeisenbank. Die Branche sei es sich zwar gewohnt, dass es Zyklen gebe, aber die Durststrecke dauere nun schon drei Jahre. Die Hoffnung auf einen Aufschwung vor einem Jahr sei durch die Diskussion um die Zölle gedämpft worden. Die Nachfrage aus Europa sei schwach und China werde im Maschinenbau immer mehr zum Konkurrenten. Die Industrie erleide nun zwar einen Rückschlag, die Gesamtwirtschaft der Schweiz allerdings sei verhältnismässig stabil – getragen von den Dienstleistungen und von einer guten Binnenwirtschaft.

SRF 4 News, 19.1.2026, 16:38 Uhr;liea

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