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UNO-Simulation in New York Schweizer Studierende: «UNO unverzichtbar – aber reformbedürftig»

Die Schweizer Studierenden Lea Schmidt-Pollitz und Alexander Balmer haben an der grössten UNO-Simulation der Welt teilgenommen. Als junge Diplomaten auf Zeit vertraten sie in New York ein fremdes Land und kehren mit klaren Vorstellungen über die Zukunft der Vereinten Nationen zurück.

Lea Schmidt-Pollitz und Alexander Balmer

Schweizer Studierende

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Lea Schmidt-Pollitz studiert internationale Beziehungen in Genf. Alexander Balmer ist Physikstudent an der ETH Zürich.

SRF News: Was war das für eine Erfahrung in New York?

Alexander Balmer: Es war eine sehr bereichernde Erfahrung. Man kommt der UNO in dieser Form wohl nie näher. Wir konnten viele Fertigkeiten mitnehmen, zum Beispiel vor 400 Leuten zu reden oder mit vielen unterschiedlichen Menschen zu diskutieren. Besonders war auch der Austausch mit anderen begeisterten und interessierten jungen Menschen aus der ganzen Welt.

Grundsätzlich sollte die Durchsetzungsfähigkeit der UNO verstärkt werden.
Autor: Alexander Balmer Schweizer Student

Sie haben nicht die Schweiz, sondern Polen vertreten. Wie bereitet man sich darauf vor?

Alexander Balmer: Die Vorbereitung umfasste drei Teile: Erstens haben wir uns als Team aus unterschiedlichen Studiengängen kennengelernt. Zweitens haben wir diplomatische Fertigkeiten wie Reden halten, Resolutionen schreiben und Verhandeln geübt. Und drittens haben wir uns intensiv mit der Position Polens beschäftigt. Dabei hatten wir die grossartige Gelegenheit, uns mit dem polnischen Botschafter zu treffen, um zu besprechen, wie sich Polen aussenpolitisch verhält.

Zwei Personen, die ein Schild mit der Aufschrift 'Poland' halten.
Legende: Für Alexander Balmer geht in der Debatte um die vermeintlich «zahnlose» UNO unter, was die Organisation auch im humanitären Bereich leistet. ZVG

Was war die grösste Schwierigkeit dabei, ein anderes Land zu vertreten?

Lea Schmidt-Pollitz: Das Schwierigste war, die Position Polens glaubwürdig zu vertreten, auch wenn sie nicht der eigenen Meinung entspricht. Man muss sich in die Haltung des Landes hineinversetzen und verstehen, was dessen offizielle Meinung ist. Besonders anspruchsvoll wird es bei fundamentalen Grundsatzfragen, zum Beispiel wenn es um Menschenrechte geht.

Ihre Arbeit mündete in einer Resolution. Was war Ihr wichtigster Vorschlag?

Lea Schmidt-Pollitz: Wir haben uns auf das Thema «Stärkung junger Menschen als Friedensstifter» fokussiert. In unserer Resolution haben wir darauf hingearbeitet, dass junge Menschen konkret und institutionell in friedensfördernde Projekte und Prozesse einbezogen werden. Wir sind der Meinung, dass Prävention sehr wichtig ist und sich das langfristig für den Frieden auf der Welt lohnt.

Zwei Frauen mit Schild 'Poland' auf einer Strasse.
Legende: Die eigene Meinung zurückstellen und professionell bleiben: Für Lea Schmidt-Pollitz (links) war das Voraussetzung, um in die Rolle Polens zu schlüpfen. ZVG

Die UNO wird als zahnloser Tiger oder Auslaufmodell kritisiert. Wie sehen Sie das nach dieser Erfahrung?

Lea Schmidt-Pollitz: Unsere Haltung ist zwiespältig. Einerseits ist die UNO unverzichtbar. Sie ist der Ort, an dem alle an einen Tisch kommen, was in der aktuellen geopolitischen Lage nicht mehr selbstverständlich ist. Sie leistet auch sehr viel gute Arbeit, die oft nicht gesehen wird. Andererseits sehen wir die Schwächen, die strukturellen Blockaden und den grossen Reformbedarf.

Die UNO braucht mehr Handlungsfähigkeit und eine verlässliche Finanzierung.
Autor: Lea Schmidt-Pollitz Schweizer Studentin

Alexander Balmer: Im humanitären Bereich leistet die UNO sehr viel. Die Debatte fokussiert sich oft auf den UNO-Sicherheitsrat, und dabei geht dieses Engagement unter. Grundsätzlich sollte die Durchsetzungsfähigkeit der UNO verstärkt werden. Sie mag gute Resolutionen verabschieden, es fehlen aber wirksame Mittel, um sicherzustellen, dass sich die betroffenen Staaten auch daran halten.

Was müsste sich konkret ändern?

Lea Schmidt-Pollitz: Die UNO braucht mehr Handlungsfähigkeit und eine verlässliche Finanzierung. Die Machtasymmetrien sind ein grosses Problem; dass einzelne Staaten ganze Prozesse lahmlegen können, muss angegangen werden. Eine Idee wäre, die Generalversammlung zu stärken, um dem Sicherheitsrat etwas Macht zu nehmen.

 Das Gespräch führte Karoline Arn.

Tagesgespräch, 17.04.2026, 13 Uhr ; 

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