Eine Städtereise nach New York oder ein Roadtrip auf der «Route 66» stehen bei der Schweizer Bevölkerung dieses Jahr nicht zuoberst auf der Reiseliste. Im Gegenteil: Die Nachfrage nach Reisen in die USA ist vergleichsweise gering, so der Tenor in der Reisebranche.
Gleich präsentiert sich das Bild bei Dertour. Der deutsche Reisekonzern ist in der Schweiz mit Hotelplan, Kuoni oder Travelhouse der grösste Reiseanbieter: «Aktuell sind die Kundinnen und Kunden sehr zurückhaltend mit Buchungen in die USA», erklärt Mediensprecher Stephan Kurmann.
Die Situation in der Schweiz sei im übrigen vergleichbar mit Deutschland, auch dort halte sich die Lust auf Reisen in die USA in Grenzen.
USA: Rückgang um über 30 Prozent
Damit dürfte sich der letztjährige Trend in diesem Jahr fortsetzen: Die Zahl der Reisenden aus Westeuropa in die USA geht zurück.
Aus der Schweiz sind 2025 rund 360'000 Menschen in die USA gereist. Das sind gut zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Im Vergleich zur Situation von vor zehn Jahren ist der Rückgang sogar noch grösser: Das Minus beträgt mehr als 30 Prozent.
André Lüthi als langjähriger Reisexperte erklärt sich das schwindende Interesse für die USA mit den neuen Möglichkeiten: «Es wird immer einfacher, die Welt zu bereisen. Noch vor zehn oder zwanzig Jahren waren die USA ein Traum für viele Schweizerinnen und Schweizer und sicher zu bereisen.»
Mittlerweile gelte das aber auch für viele andere Länder im südlichen Afrika, in Asien oder in Teilen Südamerikas. Zudem beobachtet Lüthi, dass die jüngere Generation eher fremde Kulturen und exotischere Länder suche als den Wilden Westen.
Donald Trump schreckt ab
Die Beweggründe, weshalb Reisende einen Bogen um die USA machen, mögen so individuell wie vielfältig sein. Doch ein Argument ist momentan immer wieder zu hören: Donald Trump. «Ein Grund ist sicher, dass sich Schweizerinnen und Schweizer entschieden haben, aus politischen Gründen nicht in die USA zu reisen», ist André Lüthi von Globetrotter überzeugt.
Auch Dertour nennt die US-Politik als wichtigen Grund, wieso Reisen in die USA nicht angesagt sind, und eine aktuelle Umfrage des Branchenmagazins «Travel Inside» kommt sogar zum Schluss, dass zwei Drittel der Kundschaft in den Reisebüros die USA boykottierten.
Vor dem Hintergrund, dass europäische Touristinnen und Touristen wegen Donald Trump keine Lust auf Ferien in den USA haben, wäre eine Antwort der US Travel Association, der Vereinigung der US-Tourismusindustrie, interessant gewesen. Diese wollte allerdings - trotz mehrmaligen Anfragen von SRF - keinen Kommentar abgeben, inwiefern Trumps Politik der US-Reiseindustrie schade.
Starker Franken und günstige Flüge
Das Argument, dass vor allem Donald Trumps die europäische Kundschaft abschreckt, wird durch die Tatsache verstärkt, dass andere Faktoren Reisen in den USA grundsätzlich attraktiv machen würden: Fluggesellschaften haben – in der Hoffnung, die Nachfrage anzukurbeln – in den vergangenen Monaten die Preise für Flüge in die USA gesenkt.
Zudem käme der schwache Dollar im Vergleich zum Franken insbesondere den Reisenden aus der Schweiz entgegen. Die Reisebüros schliessen zwar nicht aus, dass diese Umstände möglicherweise zu zusätzlichen Buchungen führen werden. Aber den grossen Reiseboom lösen sie nicht aus, genauso wenig wie die anstehende Fussball-WM in den USA.