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Trump schreckt ab Reisefreudige machen einen Bogen um die USA

Ferien in den USA sind nicht angesagt. Die Zahl der Reisenden aus der Schweiz und generell aus Europa sind zuletzt deutlich zurückgegangen. Einer der Hauptgründe: die Politik von US-Präsident Donald Trump.

Eine Städtereise nach New York oder ein Roadtrip auf der «Route 66» stehen bei der Schweizer Bevölkerung dieses Jahr nicht zuoberst auf der Reiseliste. Im Gegenteil: Die Nachfrage nach Reisen in die USA ist vergleichsweise gering, so der Tenor in der Reisebranche.

Ein Mann mit graumelierten Haaren und weissem Hemd steht vor einer grossen Landkarte auf der Nordamerika abgebildet ist.
Legende: «Aktuell ist immer noch eine gewisse Zurückhaltung vorhanden», erklärt André Lüthi, Verwaltungsratspräsident des Reiseanbieters Globetrotter. Die Buchungen von Reisen in die USA seien momentan – wie schon 2025 – um 20 bis 25 Prozent tiefer als noch 2024. ZVG

Gleich präsentiert sich das Bild bei Dertour. Der deutsche Reisekonzern ist in der Schweiz mit Hotelplan, Kuoni oder Travelhouse der grösste Reiseanbieter: «Aktuell sind die Kundinnen und Kunden sehr zurückhaltend mit Buchungen in die USA», erklärt Mediensprecher Stephan Kurmann.

Die Situation in der Schweiz sei im übrigen vergleichbar mit Deutschland, auch dort halte sich die Lust auf Reisen in die USA in Grenzen.

USA: Rückgang um über 30 Prozent

Damit dürfte sich der letztjährige Trend in diesem Jahr fortsetzen: Die Zahl der Reisenden aus Westeuropa in die USA geht zurück.

Aus der Schweiz sind 2025 rund 360'000 Menschen in die USA gereist. Das sind gut zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Im Vergleich zur Situation von vor zehn Jahren ist der Rückgang sogar noch grösser: Das Minus beträgt mehr als 30 Prozent.

André Lüthi als langjähriger Reisexperte erklärt sich das schwindende Interesse für die USA mit den neuen Möglichkeiten: «Es wird immer einfacher, die Welt zu bereisen. Noch vor zehn oder zwanzig Jahren waren die USA ein Traum für viele Schweizerinnen und Schweizer und sicher zu bereisen.»

Mittlerweile gelte das aber auch für viele andere Länder im südlichen Afrika, in Asien oder in Teilen Südamerikas. Zudem beobachtet Lüthi, dass die jüngere Generation eher fremde Kulturen und exotischere Länder suche als den Wilden Westen.

Donald Trump schreckt ab

Die Beweggründe, weshalb Reisende einen Bogen um die USA machen, mögen so individuell wie vielfältig sein. Doch ein Argument ist momentan immer wieder zu hören: Donald Trump. «Ein Grund ist sicher, dass sich Schweizerinnen und Schweizer entschieden haben, aus politischen Gründen nicht in die USA zu reisen», ist André Lüthi von Globetrotter überzeugt.

Auch Dertour nennt die US-Politik als wichtigen Grund, wieso Reisen in die USA nicht angesagt sind, und eine aktuelle Umfrage des Branchenmagazins «Travel Inside» kommt sogar zum Schluss, dass zwei Drittel der Kundschaft in den Reisebüros die USA boykottierten.

Umstrittene Einreisebestimmungen

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Die Politik von Donald Trump hat den Ruf der USA als reisefreundliches Land nicht begünstigt. Insbesondere die Berichte über Schwierigkeiten bei der Einreise in die USA haben weltweit für grosse Schlagzeilen gesorgt. Diese Berichterstattung habe durchaus zu einer gewissen Verunsicherung geführt, beobachtet André Lüthi von Globetrotter. Gleichzeitig betont er, dass einzelne Touristen auch unter der Biden- oder Obama-Regierung Schwierigkeiten gehabt hätten.

Hingegen seien die möglicherweise verschärften Einreisebestimmungen bislang kein Thema bei der Kundschaft: Die US-Regierung prüft, ob Touristinnen und Touristen künftig bei der Einreise in die USA Auskunft über ihre Social-Media-Aktivitäten geben müssen.

Vor dem Hintergrund, dass europäische Touristinnen und Touristen wegen Donald Trump keine Lust auf Ferien in den USA haben, wäre eine Antwort der US Travel Association, der Vereinigung der US-Tourismusindustrie, interessant gewesen. Diese wollte allerdings - trotz mehrmaligen Anfragen von SRF - keinen Kommentar abgeben, inwiefern Trumps Politik der US-Reiseindustrie schade.

Starker Franken und günstige Flüge

Das Argument, dass vor allem Donald Trumps die europäische Kundschaft abschreckt, wird durch die Tatsache verstärkt, dass andere Faktoren Reisen in den USA grundsätzlich attraktiv machen würden: Fluggesellschaften haben – in der Hoffnung, die Nachfrage anzukurbeln – in den vergangenen Monaten die Preise für Flüge in die USA gesenkt.

Zudem käme der schwache Dollar im Vergleich zum Franken insbesondere den Reisenden aus der Schweiz entgegen. Die Reisebüros schliessen zwar nicht aus, dass diese Umstände möglicherweise zu zusätzlichen Buchungen führen werden. Aber den grossen Reiseboom lösen sie nicht aus, genauso wenig wie die anstehende Fussball-WM in den USA.

Die USA als weltweites Schlusslicht

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Im Vordergrund ist die Freiheitsstatute in New York, im Hintergrund die Wolkenkratzer von Manhattan.
Legende: Keystone / Laurent Gillieron

Auch die aktuellen Daten der Welttourismusorganisation der UNO zeigen, dass die USA als Reiseland schon beliebter waren. Global gesehen legt der Tourismus überall zu und hat vielerorts das Niveau von vor der Pandemie erreicht oder sogar übertroffen. Einzige Ausnahme: der amerikanische Kontinent.

Dort habe der Tourismus noch nicht das Vorkrisenniveau erreicht, vor allem wegen «der schwachen Resultate der USA» wie die Organisation festhält. Anders in allen anderen Regionen auf dem Kontinent: In der Karibik, in Zentral- und Südamerika boomt der Tourismus.

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Echo der Zeit, 24.2.2026, 18:00 Uhr;liea

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