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Vergiftetes Babymilchpulver? Todesfälle in Frankreich nach Babymilchpulver-Verdacht

Nur das Beste für die Kleinsten – das denken sich wohl viele Eltern und greifen gerne zu Babynahrung mit Schweizer Label. Doch gerade Schweizer Hersteller stehen im Zentrum des neusten Milchpulver-Skandals, Nestlé zum Beispiel. Zwei Todesfälle von Babys in Frankreich sorgen nun zusätzlich für Aufsehen. Der Verdacht: Es könnte ein Zusammenhang bestehen mit verunreinigter Babynahrung.

Erkrankungen und Ermittlungen in Frankreich

In Frankreich gehen die Wogen hoch. Eine Mutter aus Paris berichtet, ihr Baby sei nach der Einnahme eines Nestlé-Produkts krank geworden. «Ich habe meine Zähne geputzt und plötzlich ein Geräusch gehört. Mein Sohn hat erbrochen, überall. Noch Tage später musste er ständig brechen, er hatte nach jeder Flasche Durchfall», sagt Bertille Fernandez.

Erwiesen ist der Zusammenhang bislang nicht. Doch in Frankreich werden nun Ermittlungen zu den Todesfällen angestossen. Der Staatsanwalt von Angers, Renaud Gaudeul, sagt: «Es gibt Elemente, die uns glauben machen, dass das Hand und Fuss hat, und andere, die uns zweifeln lassen. Die Untersuchung beginnt erst, es ist zu früh für Details.»

In der Schweiz ist bisher keine Erkrankung bekannt. Dennoch mahnt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen zur Vorsicht. Man verfolge die Entwicklung aufmerksam, sagt BLV‑Leiterin Manel Nobel.

Rückrufe in Dutzenden Ländern

Erstmals öffentlich wurde die Verschmutzung am 11. Dezember. Nestlé hatte sie bei einer Kontrolle in einer Fabrik in den Niederlanden entdeckt. Anfang Januar zog der Konzern Babymilchpulver-Produkte in über 60 Ländern zurück. In der Schweiz sind die Marken Beba und Alfamino betroffen. Es ist die bislang grösste Rückrufaktion in der Geschichte des Konzerns.

Beba von Nestlé in der Schweiz.
Legende: Betroffen von der grossen Rückrufaktion waren unter anderem Produkte der Marke Beba – auch in der Schweiz. Reuters/Denis Balibouse

Der Verdacht richtet sich gegen einen Zusatzstoff, der mit dem Giftstoff Cereulid verunreinigt sein soll. Nestlé entschied sich zur Flucht nach vorne. Konzernsprecher Navratil sagt: «Wir haben eine freiwillige und vorsorgliche Rückrufaktion gestartet in allen betroffenen Ländern und in Zusammenarbeit mit den Behörden. Ich will Ihnen versichern, dass es keine bestätigten Krankheitsfälle im Zusammenhang mit den betroffenen Produkten gegeben hat.»

Gemeinsamer Zulieferer aus China

Ein paar Tage später zog der Schweizer Hersteller Hochdorf nach und nahm Chargen des Produktes Bimbosan aus dem Verkauf. Betroffen waren gut 10’000 Packungen. Das Unternehmen schrieb dazu: «Diese Packungen stellen knapp 1  Prozent der jährlichen Bimbosan-Produktion dar und waren nicht gesundheitsgefährdend.»

In dieser Woche folgten die französischen Hersteller Lactalis und Danone. Erst jetzt wird der Zusammenhang bekannt: Den betroffenen Zusatzstoff bezogen alle Hersteller von derselben Firma – Cabio Biotech in China. Dort soll es zur Verunreinigung gekommen sein. Für SRF‑China‑Korrespondent Lukas Messmer ist der Fall ein typisches Beispiel für die Abhängigkeit europäischer Unternehmen von chinesischen Zulieferern.

Nestlé betont, man habe die Zusammenarbeit mit Cabio Biotech beendet und beziehe den Inhaltsstoff nun aus einer anderen Quelle. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit verfolgt den Fall weiter.

10vor10, 23.01.2026: 21:50 Uhr ; 

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