Rein äusserlich hat sich seit dem letzten Jahr wenig verändert am WEF: Das Davoser Kongresszentrum sieht aus wie immer, Menschen mit Badges um den Hals fluten den Ort und die vereisten Strassen bleiben eine Herausforderung. Nur etwas fehlte, nämlich die fast schon ikonische Begrüssungsformel von Klaus Schwab.
Der fast neunzigjährige Gründer des WEF war über 55 Jahre eine Konstante bei dem Treffen in den Bergen. Nach seinem unrühmlichen Abgang im Sommer wurde gerätselt, was nun aus dem WEF werden würde. Ob man merken würde, dass Schwab mit seinem dicken Adressbuch und den Tausenden Kontakten nicht mehr dazugehört?
Hochkarätige Besetzung
Diese Sorge war unbegründet. Das diesjährige WEF war so hochkarätig besetzt wie selten: Nicht nur US-Präsident Trump kam nach Davos, auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. «Die Welt hat sich komplett verändert», sagte sie. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wies in seiner Begrüssung auf die Herausforderungen hin, mit der die Welt zurzeit konfrontiert ist. Auch der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski war da. Er merkte an: «Ein Jahr ist vergangen. Geändert hat sich nichts.»
Anwesend waren auch Dutzende weitere Staatsoberhäupter. Das Treffen entwickelte einen solchen Sog, dass Chefs von Weltkonzernen wie Nvidia oder Microsoft nach Davos reisten, und dass sich sogar spontan noch Gäste ankündigten wie Tesla-Chef Elon Musk. Dieser witzelte auf der Bühne: «Ich werde oft gefragt, ob ich auf dem Mars sterben wolle. Ich sage jeweils: Ja.»
Gäste machen das WEF interessant
Das WEF hat also eine ungebrochene Anziehungskraft. Das sei nicht überraschend, hört man von WEF-Insidern. Wegen Schwab allein sei schon seit 20 Jahren niemand mehr nach Davos gekommen. Interessant sei für die Teilnehmer vor allem die Dichte an finanzstarken Gästen.
Häufig hätten Firmenchefs hier 30 oder 40 Treffen in nur vier Tagen. Das konnte auch die neue WEF-Führung unter Blackrock-Chef Larry Fink und Roche-Vizepräsident Andre Hoffmann bieten. Auffällig war: Vor allem Fink legte bei Reden oder Begrüssungen von ambivalenten Gästen wie Trump deutlich weniger Devotheit an den Tag, als es Klaus Schwab häufig tat.
Den Gründer braucht's nicht mehr
Und was ist mit Klaus Schwab? In manchen Reden blitzte sein Name kurz auf, etwa bei Ursula von der Leyen. Auch Larry Fink nimmt in seiner Eröffnungsrede kurz Bezug auf ihn: Er habe die Rolle übernommen nach Klaus Schwab, dessen jahrzehntelange Arbeit dieses Treffen jedes Jahr möglich gemacht habe. Aber Fink sagt auch: Er habe die Gelegenheit nutzen wollen, das Forum transparenter zu machen und neues Vertrauen aufzubauen – eine Anspielung auf Schwab.
Abgesehen davon blieben Klaus Schwab und seine früher auch sehr präsente Frau Hilde beim diesjährigen Forum praktisch unerwähnt. Nicht einmal bei der Verleihung der Schwab Foundation Awards, einem Preis für soziales Unternehmertum, kamen die Stifter des Preises explizit vor.
Totschweigen wolle man ihn aber keinesfalls, sagt Alois Zwinggi. Im Gegenteil: Es sei sogar so, dass man ganz bewusst das Werk der Schwabs weiterführe, «und zwar, dass wir immer in der Lage sind, alle verschiedenen Sektoren der Gesellschaft an einen Tisch zu bringen.» Man macht also weiter in Davos. Den Gründer Klaus Schwab, so scheint es, braucht man dafür nicht mehr.