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Neue Studie Immer mehr Junge erkranken an Darmkrebs

  • Seit 1980 ist das Risiko einer Neuerkrankung bei den unter 50-Jährigen im Schnitt um rund ein halbes Prozent pro Jahr gestiegen.
  • Die Universität Genf spricht von einer «alarmierenden» Entwicklung.
  • Forschende der Universität und des Universitätsspitals in Genf analysierten für die Studie fast 100'000 Fälle aus den Jahren 1980 bis 2021.

Noch bleibt Darmkrebs bei Jüngeren vergleichsweise selten. Zuletzt erkrankten in der Schweiz pro Jahr rund 7 von 100'000 Menschen unter 50 Jahren.

Doch der Trend steigt: Bei Männern stieg die Häufigkeit im Untersuchungszeitraum jährlich um 0.46 Prozent, bei Frauen um 0.49 Prozent. «Fälle treten heute bei Menschen in den Dreissigern auf, ohne persönliche oder familiäre Vorbelastung», wird Jeremy Meyer, Mitautor der Studie, in der Mitteilung der Universität Genf zitiert.

Bei Älteren sinkt das Erkrankungsrisiko

Damit entwickelt sich die Krankheit in den jüngeren Altersgruppen genau entgegengesetzt zu jener bei den Älteren. Bei den über 50-Jährigen sind die Erkrankungszahlen seit den 2000er-Jahren rückläufig. Die Forscherinnen und Forscher führen dies vor allem auf Früherkennungsprogramme zurück.

Person zeigt auf mikroskopische Gewebebilder auf Bildschirm.
Legende: Wer regelmässig zur Vorsorge geht, kann Vorstufen von Darmkrebs entdecken und entfernen lassen, bevor sich ein Tumor entwickelt. Keystone / BERND VON JUTRCZENKA

Jüngere Erwachsene fallen in der Regel nicht unter die systematische Vorsorge. Krankenkassen übernehmen in der Schweiz ab einem Alter von 50 Jahren die Kosten für ein Darmkrebs-Screening.

Für die Autorinnen und Autoren der Studie ist klar: Die Prävention muss nachjustiert werden. Sie plädieren dafür, das Screening früher zu beginnen und gleichzeitig die Aufmerksamkeit für Symptome bei Jüngeren zu erhöhen.

Späte Diagnose bei Jüngeren

Auffällig ist zudem, dass Darmkrebs bei Jüngeren häufiger erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt wird. Laut Studie wurden 27.7 Prozent der Erkrankungen bei den unter 50-Jährigen erst im Stadium IV diagnostiziert – die Erkrankten wiesen zum Zeitpunkt der Diagnose also bereits Metastasen auf. Bei den 50- bis 74-Jährigen lag der Anteil bei 22.1 Prozent, bei den über 75-Jährigen bei 19.4 Prozent

Der Grund dafür ist laut der Studie weniger eine aggressivere Tumorbiologie als vielmehr ein strukturelles Problem: Darmkrebs gilt als Erkrankung des Alters und wird bei Jüngeren oft nicht früh genug in Betracht gezogen. Symptome wie Blut im Stuhl oder Bauchschmerzen werden deshalb oft zunächst harmlosen Ursachen zugeschrieben. Die Studienautorinnen und ‑autoren sprechen in diesem Zusammenhang von einer «diagnostischen Verzögerung».

Gründe nicht geklärt

Was hinter dem Anstieg steckt, ist wissenschaftlich noch nicht abschliessend geklärt. Die Genfer Forscherinnen und Forscher verweisen auf ein Bündel möglicher Ursachen: Übergewicht, Bewegungsmangel und eine Ernährung mit stark verarbeiteten Lebensmitteln gelten als naheliegende Treiber.

Hinzu kommen neue Hinweise auf die Rolle des Darmmikrobioms. Demnach könnten bestimmte frühe Umwelteinflüsse – etwa Ernährung, Infektionen oder Antibiotika – das Krebsrisiko schon lange vor der eigentlichen Diagnose prägen.

SRF 4 News, 21.4.2026, 12 Uhr ; 

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