Forscher schlagen Alarm Der Tierwelt droht ein neues Massensterben

Forscher rechnen aufgrund einer neuen Studie damit, dass in den nächsten Jahrhunderten drei Viertel aller Arten verschwinden werden. Mit massiven Konsequenzen auch für den Menschen.

  • Der weltweite Rückgang der Wirbeltiere geht viel schneller voran als bisher angenommen. Dies besagt eine neue Studie der kalifornischen Stanford Universität sowie der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko.
  • Die Forscher sprechen von einer «Massenvernichtung» und weisen darauf hin, dass durch den Rückgang der Wirbeltiere ganze Ökosysteme aus dem Gleichgewicht geraten können.
  • Die Gründe für den Rückgang sind mehrheitlich durch den Menschen verursacht. Die Forscher fordern ein rasches Handeln, um den negativen Auswirkungen entgegenzuwirken.

Die Studie hat 27’600 Wirbeltierarten untersucht und ist zum Schluss gekommen, dass viel mehr Arten vom Aussterben bedroht sind, als allgemein angenommen wird. Die Forscher haben besonders auf der Ebene der Populationen einen hohen Rückgang festgestellt, selbst bei Tierarten die laut der Roten Liste der IUCN (Internationale Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen) als nicht gefährdet gelten. «Rund die Hälfte der Tiere, die einst mit uns die Erde teilten, sind bereits verschwunden.», betonen die Forscher. Selbst weit verbreitete Arten wie die Rauchschwalbe seien betroffen.

«  Rund die Hälfte der Tiere, die einst mit uns die Erde teilten, sind bereits verschwunden. »

Die Forscher haben zudem den Populationsrückgang von 177 Säugetierarten zwischen 1900 und 2015 genau untersucht. Alle diese Arten haben einen Drittel oder mehr ihres Verbreitungsgebiets verloren. Hinzu kommt ein starker Rückgang der Anzahl Individuen. Fast die Hälfte der untersuchten Säugetierarten sind in ihrer Zahl um mehr als 80 Prozent zurückgegangen.

Sterberate steigt exponentiell an

Bei ihrer letzten Studie kamen die Forscher zum Ergebnis, dass die durchschnittliche Sterberate im letzten Jahrhundert zwischen acht- bis hundertmal höher lag, als zu erwarten war. Zusammen mit den neuen Erkenntnissen bestätigt sich für die damit, dass das sechste Massen-Aussterben bereits begonnen hat.

In der Vergangenheit gab es bislang fünf grosse Artensterben – das letzte vor rund 65 Millionen Jahren. Damals sind die Dinosaurier vom Planeten verschwunden. Dass Arten aussterben ist normal. Ein Massensterben aber bedeutet, dass drei Viertel aller Arten in kurzer Zeit verschwinden. Es braucht Millionen Jahre, bis sich die gleiche Vielfalt erneut entwickelt hat.

Der Verlust der Artenvielfalt schade derweil nicht nur der Natur, sondern letztlich auch uns Menschen, warnen die Forscher. Schon jetzt beeinträchtige der massive Verlust von Populationen die Dienste, welche die Ökosysteme für die Menschheit leisten.

Maximal 30 Jahre Zeit

Die meisten Gründe für den starken Rückgang auf Populationsebene sind menschgemacht. Dazu zählen Lebensraumverlust, Umweltverschmutzung und der Klimawandel. Die Forscher gehen davon aus, dass maximal zwei bis drei Jahrzehnte Zeit bleibt, um die rapide Zerstörung der Natur und ihrer Bewohner aufzuhalten.

«  Alle Zeichen deuten darauf hin, dass der Druck auf die Artenvielfalt in den nächsten Jahrzehnten noch grösser wird. »

Die Studie spricht eine für wissenschaftliche Publikationen ungewohnt deutliche und auch pessimistische Sprache. Alle Zeichen würden darauf hindeuten, dass der Druck auf die Artenvielfalt in den nächsten Jahrzehnten noch grösser wird. «Ein düsteres Bild für die Zukunft des Lebens und auch für das Leben der Menschen.»

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Umweltorganisationen kritisieren Bundesrat

    Aus Tagesschau vom 17.7.2017

    Der Bund verfolgt seit 2012 eine Strategie bezüglich Biodiversität. Bis 2020 hat sich der Bund Zeit gegeben, um die Ziele in Sachen Artenvielfalt von Flora und Fauna zu erreichen. Jetzt sagen Umweltorganisationen: Klingt gut, bringt nichts.