Im Einsatz gegen Malaria Schweizer Tropenärztin kämpft für weniger Antibiotika

Für ihr Herzensprojekt pendelt Tropenmedizinerin Valérie D’Acremont zwischen der Schweiz und Tansania. Ihr Ziel: den Antibiotika-Einsatz in Afrika gegen Malaria reduzieren.

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Schweizer Pioniere: Die Tropenmedizinerin

5:59 min, aus 10vor10 vom 11.8.2017

Ihre Arbeit sei eine Herzensangelegenheit, sagt Forscherin Valérie D’Acremont in einem Spital der Metropole Dar Es Saalam in Tansania. Sie und eine Fachperson behandeln ein Baby, das mit Fieber eingeliefert wurde. Der Verdacht: Malaria. «Hier gibt es wenige Diagnoseinstrumente. Wenn ein Kind Fieber hat, gibt man sofort Antibiotika. Rund 90 Prozent der Kinder verlassen dieses Spital mit Antibiotika – das ist enorm!»

Mit Bluttests und Tablets

Das ist nicht nur enorm, sondern in vielen Fällen auch unnötig. Denn viele der Fieberpatienten bräuchten gar kein Antibiotikum. Um unnötige Behandlungen zu vermeiden, arbeitet Valérie D’Acremont mit selbst entwickelten Hilfsmitteln: Blut-Schnelltests und Tablets, welche die Fachpersonen bei der Behandlung anleiten.

«  Die Behandlung der Patienten in Afrika wird sich dadurch komplett verändern. »

Einfache Hilfsmittel, an denen D’Acremont jahrelang geforscht hat. «In früherer Forschung haben wir anhand von Bluttests herausgefunden, welches die Gründe für Fieber sind, wenn es nicht Malaria ist. Anhand dieser Erkenntnisse haben wir einen Algorithmus entwickelt, der den Ärzten hilft, die richtige Fieber-Behandlung für einen Patienten zu finden», sagt die Tropenmedizinerin gegenüber «10vor10».

Das besondere Interesse der 45-Jährigen gilt aktuell der Entwicklung neuer Blut-Schnelltests. Das Ziel: mit nur einem Tropfen Blut eine ganz genaue Diagnose stellen und Medikamente dadurch gezielter einsetzen. «Wir wollen verstehen, wie viele Patienten Malaria haben und wie stark. Nur so wissen wir, ob sie wirklich deswegen an Fieber erkrankt sind. Die Behandlung der Patienten in Afrika wird sich dadurch komplett verändern.»

Oft ist es nicht Malaria

D'Acremont hat mit ihrer Forschung bewiesen, dass Fieber bei Kindern in Tansania oft nicht durch Bakterien oder Malaria verursacht wird – sondern viral bedingt ist. Eine Behandlung mit Antibiotika oder Anti-Malaria-Medikamenten ist deshalb häufig überflüssig. Für diese Grundlagenforschung wurde D’Acremont mit einem wichtigen Preis für Medizin ausgezeichnet.

Die Erkenntnis ist von grosser Bedeutung, da in Afrika zu viel Antibiotika eingesetzt wird und dies wiederum Antibiotika-Resistenzen fördert. Eines der weltweit grössten medizinischen Probleme. Durch die Arbeit der Forscherin konnte der Einsatz von Antibiotika in Tansania bereits drastisch gesenkt werden.

Zwischen der Schweiz und Afrika

D’Acremont forscht und arbeitet am Swiss Public Health Institute in Basel und am Universitätsspital CHUV in Lausanne. Drei Jahre lang lebte sie zudem in Tansania. Auch heute kehrt sie immer wieder zurück. «Hier bekommt meine Arbeit Sinn. Denn nach einigen Monaten in der Schweiz wird die Arbeit ein wenig abstrakt. Es ist wichtig, dass ich regelmässig zurückkomme – damit ich wieder weiss, weshalb ich morgens aufstehe», so D’Acremont.

«  Wir werden sehr respektiert, weil wir den Menschen zuhören und mit ihnen seit Jahren Hand in Hand arbeiten. »

In den letzten zehn Jahren hat sich die französisch-schweizerische Tropenmedizinern gute Beziehungen zu Spitälern und Gesundheitsfachleuten in Tansania aufgebaut. «Wir werden sehr respektiert, weil wir den Menschen zuhören und mit Ihnen seit Jahren Hand in Hand arbeiten.»

Für D’Acremont ist die Forschung jedoch mehr als nur Arbeit: «Jedes Mal, wenn ich nach Tansania zurückkomme, ist es für mich die Erfüllung eines Kindheitstraums.»