Markus Bundi: «Wir werden durch Sprache manipuliert»

Der Aargauer Autor und Philosoph Markus Bundi kritisiert als Freitagsgast des Regionaljournals Show-Prozesse wie jenen um Jörg Kachelmann, und lobt die «unzerstörbare Athmosphäre» an den Solothurner Literaturtagen.

Porträtaufnahme von Markus Bundi. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In seinem neusten Werk erzählt der Badener Markus Bundi von einem Gerichtsprozess gegen eine Krankenschwester. ZVG

Markus Bundi wurde 1969 in Wettingen geboren. Er arbeitete unter anderem als Kulturredaktor bei der Aargauer Zeitung. Heute lebt er als Schriftsteller und Herausgeber in Baden.

Vor 12 Jahren war Markus Bundi in der Programmkommission der Solothurner Literaturtage tätig. Dieses Jahr war er als Autor eingeladen und hat am Freitag vor rund 200 Zuhörerinnen und Zuhörern aus «Emilies Schweigen» vorgelesen.

Was ist die Wahrheit?

In der Novelle geht es um einen Gerichtsprozess gegen eine Krankenschwester, die als Todesengel in einem Altersheim 47 Menschen umgebracht hat, im Prozess kein Wort sagt, und dank den Argumentations-Künsten ihres Verteidigers freigesprochen wird.

Im Gespräch mit dem SRF-Regionaljournal kommt Markus Bundi auf Show-Prozesse wie jene um O.J. Simpson und Jörg Kachelmann zu sprechen und stellt fest: «Wir werden durch Sprache manipuliert». Ob in Texten von Journalisten, im Fernsehen oder Internet: immer wenn es keine klaren Tatsachen gebe, werde einfach viel erzählt.

«Wir Menschen wollen das offenbar. Wir brauchen diese Geschichten. Und es kommt gar nicht darauf an, ob sie der Wahrheit entsprechen», resümiert Philosoph Bundi.

Literaturtage haben mehr Gewicht als früher

An den Solothurner Literaturtagen lobt der Aargauer die «unzerstörbare Atmosphäre», um gleich anzufügen, dass das Festival im Vergleich zu früher kein «Klassentreffen» mehr sei. Es sei viel grösser geworden. Durch ihre Grösse hätten die Literaturtage heute auch mehr Gewicht, stellt Markus Bundi fest.

Und das sei unter anderem deshalb wichtig, weil der Literatur in den Printmedien heute weniger Beachtung geschenkt werde. Es würden heute weniger Rezensionen veröffentlicht, bedauert Autor Bundi.