Basel schreibt eigene Geschichte neu

Basel bekommt eine neue Kantons- und Stadtgeschichte in Buchform: Der Grosse Rat hat am Mittwoch für das Projekt «Stadt.Geschichte.Basel» 4,4 Millionen Franken bereitgestellt.

Historisches Bild der ersten Mustermesse 1917: Einige Männer posieren vor dem Eingang des Stadtcasinos, in welchem die Mustermesse damals stattfand. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ereignisse, wie die erste Schweizer Mustermesse im Stadtcasino Basel 1917, sind Teil der Kantonsgeschichte. Keystone

Die Ausgaben für die Aufarbeitung der Basler Kantons- und Stadtgeschichte waren im Parlament nicht unbestritten. Der SVP sind die nun gesprochenen 4,4 Millionen Franken für die Jahre 2017 - 2024 zu viel Geld. Bereits zuvor hatte der Regierungsrat 1,6 Millionen Franken aus dem Swisslos-Fonds für dasselbe Projekt genehmigt.

Oskar Herzig von der SVP sagte während der Ratsdebatte: «Die Brötchen, die hier gebacken werden sollen, sind viel zu gross.» Mehr als 4 Millionen Franken seien zu viel für ein Projekt, bei welchem man sich sowieso fragen könne, ob es Staatsaufgabe sei, so Herzig.

Zwar wolle auch die SVP die Basler Geschichte aufarbeiten, doch dies könne die Universität Basel tun. Mit dieser Position war die SVP aber alleine. Lediglich die LDP wollte ihre Zustimmung zum Projekt an Bedingungen knüpfen, scheiterte damit aber.

Die Liberalen verwiesen auf Projekte in anderen Kantonen, die ähnliche Kosten generiert hätten. Zu reden gab auch die auf eine möglichst breite Perspektive ausgelegte Stiftungs-Trägerschaft.

Am Ende segnete der Grosse Rat den Beitrag mit 70 gegen 11 Stimmen bei 8 Enthaltungen ab.

Finanzierung noch nicht restlos gesichert

Laut Regierungspräsident Guy Morin ist die Finanzierung bisher noch nicht ganz unter Dach; nur rund zwölf Prozent seien noch offen. Vom Kanton gebe es aber keine zusätzlichen Gelder. Abgelehnt wurde ein LDP-Antrag, die Kantonsgelder - wie manche Sponsorenbeiträge - explizit von der Gesamtfinanzierung abhängig zu machen.

Das Projekt «Stadt.Geschichte.Basel» war 2014 der Öffentlichkeit vorgestellt worden. An der Erarbeitung sollen während rund acht Jahren 20 bis 25 Personen arbeiten. Die Initianten gehen davon aus, dass es für die Aufarbeitung der Geschichte Basels insgesamt rund 11 Millionen Franken braucht; der Staatsanteil liegt so bei 70 Prozent.

Rund 25 Prozent sollen Stiftungen und die Wirtschaft beisteuern. Die restlichen fünf Prozent will der Verein Basler Geschichte selbst aufbringen. Die Idee für eine neue Stadtgeschichte war 2008 mit drei parlamentarischen Vorstössen aufs politische Parkett gebracht worden

Buch und online-Portal für Basler Geschichte

Gemäss dem Grünen Bündnis müssen sich Schulen und Interessierte heute mit einem veralteten Standardwerk aus den 50er-Jahren begnügen, das zudem vergriffen sei. Zum geplanten neuen Werk gehört auch ein laufend zu aktualisierendes Online-Portal.

(Regionaljournal Basel, 12:03 Uhr)