Tinguely klingt nach, andere Künstler stimmen ein

Ein Vierteljahrhundert nach Jean Tinguelys Tod klingen seine Musikmaschinen nach: Die vier grossen «Méta-Harmonien» sind Kern einer Ausstellung im Tinguely-Museum, die Werke anderer Künstler in geräusch-reiche Beziehung dazu stellt.

Die vier zwischen 1978 und 1985 geschaffenen Grossskulpturen «Méta-Harmonien» stehen neben Basel sonst in Wien und im japanischen Karuizawa. Das Museum Tinguely hat sie zum Orchester-Auftritt nach Basel geladen - was für die Skulptur aus Japan acht Wochen Reise als Seefracht bedeutete. Seit Mittwoch werden sie im Dialog miteinander und mit Werken anderer Künstler und Musiker präsentiert.

Harmonische Musik war nicht Jean Tinguelys Ziel mit seinen Musikmaschinen. Vielmehr benutzte der Künstler Klänge und Töne als Material für seine Kunst, wie Co-Kuratorin Annja Müller-Alsbach am Dienstag vor den Medien sagte. Das visuell-akustische Gesamtspektakel klingt nach reinem Zufall, folgt aber einer konstruierten mechanischen Regelmässigkeit. Das sei dann eben «Meta-Musik».

Drehen im Kreis

Die mehrteiligen «Méta-Harmonien» arrangieren im Container-Format und darüber sind Tinguelys typischen grossen Räder in Eisenrahmen mit Geräuschelementen aller Art, darunter auch echte Musikinstrumente wie ein Klavier, Kinder-Blasorgeln, eine Geige und diverse Trommeln, Becken und Glocken.

Geschlagen wird aber auch auf Ölfässer, Fondue-Caquelons oder Glas-Salatschüsseln. Dazu tanzen motorisierte Dekorelemente wie ein beissender Tierschädel, ein Dachkanten-Adler oder rotierende Gartenzwerge. Akustische und optische Reize konkurrieren; auch eine Hommage an Marcel Duchamps findet sich mit einem Flaschenständer.

Verschiedene Klänge, je nach Alter

Die Klangbilder der vier Werke unterscheiden sich deutlich: Die älteren haben mehr Melodie-, die jüngeren mehr Schlaginstrumente verbaut. Im Museum laufen sie versetzt in vier-Minuten-Episoden zentral gesteuert - Tinguely hatte keine Laufzeiten vorgegeben. Alle vier «Méta-Harmonien» sind einmal stündlich zusammen am Werk.

Die Herausforderung, neben und mit «Méta-Harmonien» zu bestehen, nehmen in der bis am 22. Januar geöffneten Schau verschiedene Künstler aus der Schweiz und dem Ausland an. Unter anderem ist eine elf Meter lange Wandinstallation des Berners Zimoun zu sehen und zu hören. Hundert verschiedene Geräusche bietet eine interaktive Maschine aus New York.

Live-Musik zu Maschinengeräusch

Ein klingendes Bühnenbild von Thom Luz verbindet zudem die Maschinenklänge mit Raum-Performance. Ferner geben mehrere Musikautomaten aus dem frühen 20. Jahrhundert, die vorübergehend aus dem Museum in Seewen an den Rhein zügeln, ein Gastspiel.

Live stellen sich Schlagzeug- und Improvisationsklassen der Basler Fachhochschule für Musik den Maschinen. Ebenfalls live treten das Ensemble Phoenix Basel und mehrere Jazzmusiker sowie ein Beatboxer bei Tinguely auf.

Der Katalog zur Ausstellung - er erscheint im November - liefert erstmals kunsthistorische Texte zum Verhältnis Tinguelys zu Klang und Musik, wie Co-Kuratorin Sandra Reimann sagte. Ein Interview mit Tinguelys Assistenten Seppi Imhof liefert zudem neue Aspekte der Entstehungsgeschichte.