Berner Hindus öffnen sich

Tamilische Hindus in Bern wollen den Hinduismus erneuern. Seit Jahren arbeiten sie an einem Tempel, in dem auch Frauen Priesterinnen werden und Laien heilige Handlungen vornehmen können. Inspiriert sind sie ein Stück weit von der christlichen Reformation. Am Sonntag wird der Tempel eingeweiht.

Seit Jahren verfolgt eine Gruppe Tamilen in Bern das Projekt eines reformierten Hinduismus. Jeder soll Priester werden können, wenn er sich an die Regeln der heiligen Schriften hält - auch Frauen. Das Priesteramt ist nicht Männern aus der Kaste der Brahmanen vorbehalten. Zudem sollen die Gläubigen heilige Rituale selber durchführen können. Auch wird im Gottesdienst Tamilisch anstatt der hinduistischen Kirchensprache Sanskrit gesprochen.

Man habe gemerkt, dass viele herkömmliche Bräuche den Bedürfnissen der hiesigen Migrantengesellschaft nicht mehr entsprechen, sagt Sasikumar Tharmalingam, geistiger Vater und Mitbegründer des reformierten Hindutempels. In den heiligen Büchern des Hinduismus stehe nichts vom Kastenwesen oder Sanskrit als Gebetssprache.

An Einweihungsfeier auch Kritiker dabei

Der neue Hindutempel in Bern ist Teil des Hauses der Religionen am Europaplatz. Es wurde letzten Dezember eröffnet, bietet eine Diskussionsplattform für alle in Bern ansässigen Religionsgemeinschaften. Ausserdem gibt es im Haus der Religionen fünf Sakralräume, unter anderem eben den reformierten Hindutempel.

Am Sonntag wird der Tempel mit einem grossen Fest eingeweiht. Mit dabei sind auch traditionelle Hindus, wie zum Beispiel Sasitareen Sarma, Brahmane aus Luzern. Dies, obwohl er aus theologischen und spirituellen Gründen nicht hinter dem reformierten Hinduismus steht. «Jeder Tempel ist ein heiliges Gebäude», sagt er. Wichtig sei ihm die Einheit und Verbundenheit aller Hindus in der Schweiz.

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  • Haus der Religionen

    Aus Schweiz aktuell vom 12.12.2014

    Fünf Weltreligionen unter einem Dach – im «Haus der Religionen» in Bern haben Hindus, Muslime, Aleviten, Buddhisten und Christen neu ihre Sakralräume direkt nebeneinander. Hier werden sie ihre Rituale, Zeremonien und Feste feiern und den Dialog pflegen. Michael Weinmann besucht das «Haus der Religionen» kurz vor der Eröffnung.