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Abgang einer Eishockey-Legende «Als Captain darf man auch ein Tief haben»: SCB-Moser sagt adieu

Sein Körper und die Schmerzen haben ihn zum Rücktritt gezwungen. Die SCB-Legende Simon Moser nimmt Abschied, blickt zurück auf seine Anfänge in Langnau, auf Meistertitel mit Bern und weshalb er in der Garderobe nie den Kopf hängen liess.

Er geht langsam an Krücken. Durch die Tür des Restaurants geht es hinaus auf die Tribüne des Berner Eishockey-Tempels. «Diesen Weg gehe ich nicht oft», sagt Simon Moser und lacht.

Simon Moser sitzt auf der Tribüne des Berner Eishockeystadions.
Legende: Nun auf der Tribüne und nicht mehr auf dem Eis – Simon Moser ist nach der Operation noch eine Weile auf die Krücken angewiesen. SRF/Katharina Schwab

Er ist der ehemalige SCB-Captain, der Anfang Dezember seinen sofortigen Rücktritt bekannt geben musste. Die bodenständige SCB-Legende, von den Fans geliebt wegen ihres Kampfgeistes und ihrer Opferbereitschaft.

18 Jahre war er Eishockey-Profi, sein halbes Leben. Und nun ist Schluss. Die Probleme an Hüfte und Rücken wurden für den 36-Jährigen zu gross.

Er sitzt auf der Tribüne auf einem Klappstuhl und blickt auf die legendäre Stehrampe, wo ihm bis zu 10'000 Fans zujubelten. Das Einlaufen mit Licht, Feuer, den tobenden Fans. 614 Mal ist er so eingelaufen. «Das volle Stadion, die Stimmung, all die Emotionen, das werde ich nie vergessen.»

Ich war extrem nervös und wollte auf keinen Fall einen Fehler machen.
Autor: Simon Moser

Drei Meistertitel hat er mit dem SCB gewonnen, 2016, 2017 und 2019. Angefangen hat er seine Eishockey-Karriere in Langnau. Bei den SCL Tigers hat er sämtliche Juniorstufen durchgemacht.

Sein Debut in der höchsten Liga gab er als 18-jähriger Teenager: «Ich war extrem nervös und wollte auf keinen Fall einen Fehler machen», erinnert sich Moser an sein erstes Spiel in der Ilfishalle in Langnau im Emmental.

Nach dem Abstieg der Langnauer folgte ein Abstecher nach Nordamerika. Allerdings konnte er bei den Nashville Predators in der NHL nie richtig Fuss fassen und spielte mehrheitlich in der zweithöchsten Liga. «Es war alles grösser und professioneller, ich wurde selbständiger», sagt er rückblickend über diese Saison in Übersee.

Seitenporträt von Simon Moser.
Legende: Da war er noch Teil des Teams. Simon Moser vor dem Match gegen Genf-Servette im September 2025. KEYSTONE/Til Buergy

Der Schritt zurück in die Schweiz, nach Bern, der sei ihm nicht leicht gefallen. Geholfen hätten ihm dabei auch die Worte des damaligen SCB-Trainers Guy Boucher. «Er sagte mir, dass meine Chancen in Bern grösser wären, den Sprung in die NHL zu schaffen.»

Ein Capitan darf Tiefs haben, aber nicht zeigen

Simon Moser ist in Bern geblieben. Und wurde auch bei den Mutzen Captain, nachdem er in Langnau der jüngste Captain der National League gewesen war. «Beim SCB war der Druck grösser, damit muss man umgehen können.» Gerade weil er als Capitan eine Vorbildrolle im Team, aber auch gegen aussen einnahm. «Als Captain darf man auch mal ein Tief haben, aber zeigen darf man es nicht.»

Kein Eishockeyspieler ist jeden Tag gleich motiviert.
Autor: Simon Moser

Disziplin sei für ihn elementar, noch wichtiger als die Motivation an sich. «Kein Hockeyspieler, niemand in der Privatwirtschaft, ist jeden Tag gleich motiviert, trotzdem muss man abliefern. Das braucht Disziplin.» Denn ein hängender Kopf in der Garderobe sei viel ansteckender als ein Lachen.

Während seiner Eishockey-Karriere war Moser immer mal wieder verletzt, fiel mal kürzer, mal länger aus. Dabei habe er gelernt zu akzeptieren, dass Sachen geschehen, die er nicht beeinflussen kann. «Verletzungen gehören in diesem Sport dazu, man darf keine Angst davor haben.»

Seine Zukunft ist ungewiss

Nun erholt er sich erstmal von seiner Operation von Anfang Dezember. Wie geht es weiter? «Ich habe ein paar Pläne gemacht, aber spruchreif ist noch nichts.» Und obwohl er im Moment nicht sicher ist, ob er sein Leben weiterhin dem Eishockey widmen soll – einfach nicht mehr als Spieler, sagt Simon Moser: «Eishockey wird in meinem Leben immer eine Rolle spielen.»

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 30.12.2025, 12:03 Uhr;weds

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