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Abstimmung am 14. Juni Gegner warnen vor Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz»

  • Eine Allianz aus Politik und Wirtschaft hat in Bern vor «verheerenden Folgen» der Volksinitiative gegen eine 10-Millionen-Schweiz der SVP gewarnt.
  • Der starre Deckel werde bereits «in drei bis vier Jahren ins Chaos führen».
  • Die SVP-Initiative verlangt, die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz bei 10 Millionen Menschen zu deckeln.
  • Das Schweizer Stimmvolk stimmt am 14. Juni über die Vorlage ab.

Falls das Volksbegehren angenommen werde, würde ein Arbeitsplatz-Chaos, ein Bilateralen-Chaos und ein AHV-Chaos folgen, sagte Benjamin Mühlemann, Co-Präsident der FDP Schweiz und Mitglied der Allianz.

Laptop zeigt Präsentationsfolie zur Nachhaltigkeits-Initiative Keine 10-Millionen-Schweiz.
Legende: Die Schweiz stimmt am 14. Juni über die Volksinitiative gegen eine 10-Millionen-Schweiz ab. Keystone/Peter Schneider

Ohne gezielte Zuwanderung drohe ein Versorgungskollaps etwa in der Pflege und im Handwerk. Auch Bau, Tourismus und Landwirtschaft seien auf qualifizierte Arbeitskräfte angewiesen, so die Allianz.

Die 10-Millionen-Initiative setze den bilateralen Weg «fahrlässig aufs Spiel» und führe wegen der darin enthaltenen Guillotine-Klausel automatisch zur Kündigung der bilateralen Verträge I und stelle auch die Bilateralen II und III infrage. Dabei sei die EU der wichtigste Handelspartner der Schweiz.

Das auch «Nachhaltigkeits-Initiative» genannte Volksbegehren der SVP löse kein einziges Problem, schaffe aber viele neue, so die Allianz namens «Nein zur Chaos-Initiative» weiter.

Im Parlament ohne Chance

Die im Jahr 2024 eingereichte Volksinitiative verlangt, dass die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz zehn Millionen Menschen vor 2050 nicht überschreiten darf. Danach soll der Bundesrat aufgrund des Geburtenüberschusses eine Limite setzen.

Falls im Jahr 2050 9.5 Millionen Menschen im Land wohnen, müssten Bundesrat und Parlament gemäss dem Initiativtext Massnahmen ergreifen. Etwa dürften vorläufig Aufgenommene keine Niederlassungsbewilligung mehr erhalten. Auch der Familiennachzug soll eingeschränkt werden.

Internationale Abkommen müssten mit Blick auf Ausnahme- oder Schutzklauseln neu ausgehandelt werden. Reicht das alles nicht, muss das Personenfreizügigkeits­abkommen mit der EU gekündigt werden.

Bundesrat und die eidgenössischen Räte lehnen das Begehren ab. Im National- und im Ständerat stimmten fast nur SVP-Mitglieder für die Initiative. Die SVP sagt, Parlament und Landesregierung würden die 2014 vom Volk angenommene Masseneinwanderungs­initiative nicht umsetzen. Deshalb brauche es die neue Initiative.

Gegner: Es droht ein Versorgungskollaps

Der Glarner Ständerat Benjamin Mühlemann sagte an der Medienkonfernez der Gegner in Bern, jährlich verliessen 20'000 Arbeitskräfte mehr unseren Arbeitsmarkt, als junge Berufsleute nachrückten. Ohne Zuwanderung drohe ein Versorgungskollaps im Gesundheitswesen, im Gewerbe und auch im Tourismus.

Die Zürcher Mitte-Nationalrätin Yvonne Bürgin sagte, laut Prognosen werde die Marke von 9.5 Millionen Menschen in der Schweiz schon 2031 erreicht. Das sei schon sehr bald. Von einer «lebensgefährlichen Initiative» sprach der Zürcher GLP-Nationalrat und Pflegefachmann Patrick Hässig. Die zentrale Frage sei nicht, wie viele Menschen in Zukunft in der Schweiz lebten, sondern wer die heute hier lebenden Menschen versorge und pflege.

An der Medienkonferenz traten auch ein Freiburger Winzer, ein Walliser Firmenchef und der kürzlich in die Pension getretene ehemalige Leiter der Stadtberner Fremdenpolizei, Alexander Ott, auf. Wenn die SVP-Initiative angenommen würde, würde der Polizei und den Polizeibehörden wesentliche Werkzeuge entzogen, so Ott.

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SRF 4 News, 9.3.2026, 12 Uhr ; 

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