So rodet etwa der 20-jährige Elia lieber einen Hang für Pro Natura, als Militärdienst zu leisten.
Und Jeremias, ebenfalls 20, ist mit der Motorsäge zugange. Sie beide leisten Zivildienst – und nehmen in Kauf, eineinhalbmal so viele Diensttage zu leisten wie diejenigen, die ins Militär gehen. Insgesamt rund ein Jahr.
Werkzeug statt Waffe – doch wieso?
«Ich möchte weder mit einer Waffe schiessen noch möchte ich ins Militär. Zudem hat es den positiven Nebeneffekt, dass ich mein Leben weiterführen kann», sagt Elia.
In Bezug auf Hobbies zum Beispiel. Er sei in der Pfadi sehr aktiv – das würde ihm nicht gelingen, wenn er ein halbes Jahr im Militär wäre. Und: «Ich bin ganz einfach nicht parat, für das Land zu sterben», so Elia weiter.
Es hat den positiven Nebeneffekt, dass ich mein Leben weiterführen kann.
Auch Jeremias habe sich für den Zivildienst entschieden, weil dieser einfach besser planbar sei «und weil ich gerne in der Natur bin und gerne etwas mit den Händen bewirke, das etwas nützt».
Zivildienst wird Thema an Urne
Bereits jeder vierte Wehrpflichtige macht Zivildienst statt Militär. Bundesrat und Parlament wollen nun den Zugang zum Zivildienst erschweren. Linke und Grüne haben dagegen das Referendum ergriffen. Im Juni entscheidet das Volk.
«Das sind alles Leute, die dem Wehrdienst fehlen. Das sind wehrdiensttaugliche Leute. Das können wir einfach nicht länger akzeptieren», sagt Stefan Holenstein, Präsident des Verbands Militärischer Gesellschaften der Schweiz.
Besonders stört ihn, dass fast die Hälfte der Zivildienstleistenden zuerst Militärdienst leistet – und erst danach in den Zivildienst wechselt. Er spricht von einem «Aderlass».
Die Armee laufe Gefahr, auszubluten, sagt Holenstein. Man wisse aufgrund der Berechnungen, dass die Armee Ende der 20er-Jahre bestandsmässig zusammenfallen werde.
«Der Effektivbestand ist jetzt noch 140'000. Der wird massiv zusammenfallen auf noch etwa 120'000 vielleicht. Wegen dem Zivildienst, wegen den vielen Abgängen», warnt Holenstein.
Das sind alles Leute, die dem Wehrdienst fehlen (...) Das können wir einfach nicht länger akzeptieren.
Dem widerspricht die Zürcher SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf, Co-Präsidentin des Referendumskomitees gegen das neue Zivildienstgesetz: «Wir haben etwa 147'000 Armeeangehörige im Effektivbestand und etwas über 7000 Zivildienstleistende. Wo ist da der Aderlass?»
Wie viele Soldaten die Schweiz braucht, ist Ansichtssache. Wie einfach der Zugang zum Zivildienst sein soll, ebenfalls. Elia und Jeremias würden sich jederzeit wieder für den Zivildienst entscheiden.
Jeremias findet, dass der Zivildienst sehr viel bieten könne – auch der Schweiz. Und Elia fände es besser, würde man das Militär attraktiver machen, anstatt den Zivildienst zu verschärfen.