Das Kunstmuseum in Bern ist in die Jahre gekommen. Weil Rohre undicht sind, haben sich mehrfach Pfützen in einem Ausstellungssaal gebildet. Der Zustand der Infrastruktur ist so schlecht, dass das Kunstmuseum keine bedeutenden Werke von anderen Museen für Ausstellungen bekommt.
Sanierung und Neubau für 147 Millionen Franken
Auch für Besuchende ist das Museum nicht sicher: Immer wieder müssen Ausstellungsräume evakuiert werden, weil Gase aus der 40 Jahre alten Klimaanlage austreten. In den vergangenen 20 Jahren hat man in Bern deshalb zig Sanierungsprojekte entworfen und dann wieder verworfen. Nun gibt es einen neuen Anlauf.
Am 14. Juni befinden die Stimmberechtigten des Kantons über einen Projektierungskredit von 15.7 Millionen Franken. Insgesamt sollen Sanierung und Neubau 147 Millionen Franken kosten, 81 Millionen davon wird der Kanton tragen. Mit dem Slogan «Ohne Haus kein Hodler» werben Vertreterinnen und Vertreter aus nahezu allen politischen Parteien, inklusive der Berner Regierung, für ein Ja.
Die SVP und Vertreter von EDU und GLP haben das Referendum ergriffen. Das Bauvorhaben ist für sie ein «Luxusprojekt», ein «Fass ohne Boden» und «überdimensioniert». Eine Sanierung sei zwar nötig, aber nicht zu diesem Preis. «Mich stört, dass man die Architektur ins Zentrum stellt und nicht die Kunst», sagt Beat Cattaruzza, GLP-Grossrat und Künstler. «Statt teure Bauten zu erstellen, soll die Kunst hinaus zu den Leuten.»
Die Befürworter hingegen betonen, mit dem Bauvorhaben könne das Museum Wartungskosten und Energie sparen, und in Zukunft ein wichtiges Kulturerbe bewahren. «Die Gemälde einfach auf die Strasse hängen, ist keine Lösung», sagt SP-Grossrätin Oriana Pardini. «Das Kunstmuseum ist ein wichtiger öffentlicher Ort. Jedes Jahr sind 400 Schulklassen zu Besuch.» Das geplante Projekt reihe sich optisch perfekt in die Stadt Bern ein, so die Grossrätin.
Der Mäzen und seine Bedingungen
Falls die Stimmbevölkerung dem Projektierungskredit am 14. Juni zustimmt, will sich Medizinalpionier Hansjörg Wyss mit 30 Millionen Franken am Projekt «Eiger» beteiligen. Auch das sorgt für Kritik, denn der in den USA lebende Mäzen knüpft seine Unterstützung an Bedingungen. So soll etwa der Verkehr auf der Strasse vor dem Museum stark reduziert werden.
«In den USA sind solche Einflussnahmen üblich», sagt GLP-Grossrat Beat Cattaruzza. Dort würden Mäzene jedoch auch ganze Bauprojekte finanzieren. «Die Einflussnahme von Wyss und das Vorgehen der Stadt finde ich fragwürdig.» Befürworterin Oriana Pardini kontert: «Es geht nicht um ein Denkmal für Herrn Wyss.» Auch die Bevölkerung habe in unzähligen Workshops denselben Wunsch geäussert.
Der Ball liegt nun bei der Stimmbevölkerung. Gibt sie Mitte Juni grünes Licht, könnten die Sanierungs- und Bauarbeiten bereits in fünf Jahren starten. Wird die Vorlage abgelehnt, müsste das Kunstmuseum ein neues Projekt ausarbeiten – und wieder auf Geldsuche gehen.