- Gemäss der vom Parlament im Sommer 2025 mit knapper Mehrheit beschlossenen Vorlage werden Ehepaare künftig nicht mehr gemeinsam besteuert, sondern getrennt, wie unverheiratete Paare.
- Weil der Entscheid von mehreren Parteien sowie zehn Kantonen mit dem Referendum bekämpft wird, hat sich nun das Stimmvolk dazu zu äussern.
- Die Abstimmung findet am 8. März statt.
Ein Auslaufmodell
Alle Menschen einzeln zu besteuern, sei überfällig und unumgänglich, sagte der Glarner FDP-Ständerat Benjamin Mühlemann zum Kampagnenstart in Bern vor den Medien. Die Individualbesteuerung entlaste den Mittelstand um 600 Millionen Franken im Jahr und bedeute eine Vereinfachung.
Die Vorlage ist nach den Worten des Komitees ein sorgfältig erarbeiteter Kompromiss: 50 Prozent der Steuerpflichtigen würden mit individuellen Steuern weniger zahlen, und für 36 Prozent würde sich nichts ändern, schreibt es. 14 Prozent würden geringfügig mehr belastet.
Es seien Ehepaare mit einem hohen und einem kleinen Einkommen, die heute von einem Heiratsbonus profitierten. In der Gesellschaft seien diese aber eine Minderheit und ein Auslaufmodell, sagte Ständerätin Eva Herzog (SP/BS). Auch innerhalb der OECD sei die gemeinsame Besteuerung ein Auslaufmodell.
Wir bringen das Steuergesetz aus der Nachkriegszeit in die Gegenwart.
2026 könne das Jahr werden, ab dem Frauen als Familienmitglieder einem eigenen Verdienst nachgehen könnten, ohne bei den Steuern bestraft zu werden, sagte Nationalrätin Sophie Michaud Gigon (Grüne/VD).
Gesellschaftliche Entwicklung
Die Vorlage folge der gesellschaftlichen Entwicklung, sagte auch Kathrin Bertschy, Berner GLP-Nationalrätin und Co-Präsidentin von Alliance F. «Wir bringen das Steuergesetz aus der Nachkriegszeit in die Gegenwart.» Am in den Kantonen angewendeten Splitting kritisiert das Komitee, dass es keine neuen Erwerbsanreize schaffe.
Zweiteinkommen nicht mehr übermässig zu besteuern, wäre laut Komitee ein zweiter Vorteil der Individualbesteuerung. Verheiratete Frauen arbeiteten oft mit kleinen Pensen, sagte Severin Moser, Präsident des Arbeitgeberverbandes, dazu. Wer mehr arbeiten wolle, habe mit der Einzelbesteuerung einen kleineren Bremsklotz.
Laut Schätzungen des Bundes ist davon auszugehen, dass in Vollzeit-Äquivalenten 10'000 bis 44'000 Personen mehr arbeiten würden. Gerade gut ausgebildete Frauen verzichteten wegen der Steuerbelastung auf höhere Pensen. 179'000 Frauen seien laut Bundesamt für Statistik unfreiwillig unterbeschäftigt.
Mehr Kaufkraft für Pensionierte
Die Reform stärke die Kaufkraft der Rentnerinnen und Rentner, sagte Nationalrat Samuel Bendahan (SP/VD). Einerseits würden sie bei der Heiratsstrafe entlastet. Frauen hätten dank eines besseren Verdiensts zudem eine bessere Altersvorsorge. Altersarmut betreffe heute mehr Frauen als Männer, sagte Nationalrätin Aline Trede (Grüne/BE).
Aus Sicht des Komitees sind die erwarteten Ausfälle von rund 600 Millionen Franken im Jahr bei der direkten Bundessteuer verkraftbar. Die Individualbesteuerung koste weniger als die Mitte-Initiative zur Abschaffung der Heiratsstrafe. Diese will Verheiratete weiterhin gemeinsam besteuern und könnte laut Herzog zwei- bis dreimal so hohe Ausfälle verursachen.