Gross waren die Pläne für die Brambrüesch-Bahn in Chur. Eine neue Gondelbahn sollte Gäste direkt von der Talstation in der Stadt auf den Churer Hausberg bringen. Ohne Umsteigen. Heute wird die Strecke in zwei Teilen zurückgelegt.
In zwei Schritten nach oben
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Bild 1 von 2. Die ersten 600 Höhenmeter bis zur Mittelstation bewältigt eine grössere Seilbahn ... Bildquelle: Keystone / Gian Ehrenzeller.
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Bild 2 von 2. ... danach erfolgt der Umstieg auf die 4er-Gondel bis zur Bergstation Brambrüesch. Bildquelle: Keystone / Gian Ehrenzeller.
Bahnbetreiber und Stadt legten sich für das Vorhaben ins Zeug. Auch die Stimmberechtigten stellten sich zunächst hinter das Projekt und bewilligten 2019 einen Kredit von etwas mehr als 24 Millionen Franken – mit einem Unsicherheitsfaktor bei den Kosten von rund 25 Prozent.
Im Laufe der Planung stiegen die Kosten dann aber auf rund 40 Millionen Franken an. Die Stadt liess deshalb ein zweites Mal abstimmen – und scheiterte nun. Dabei ist die Bahn auf das Geld der Stadt Chur angewiesen.
Planung beginnt von vorne
Nach sieben Jahren Planung heisst es nun: zurück auf Feld 1. Dabei läuft der Bahn die Zeit davon. Der obere Teil, die Verbindung Känzeli-Brambrüesch, ist seit 26 Jahren in Betrieb. Zuvor beförderte sie in Flims 30 Jahre lang Skifahrerinnen und Skifahrer.
Die Bahn sei am Ende ihrer Lebensdauer angekommen, so die Betreiber. Ersatzteile für die alte 4er-Gondelbahn zu finden, sei praktisch ein Ding der Unmöglichkeit.
«Wir haben sieben Jahre verloren», sagt Peter Engler, Verwaltungsrat der Bergbahnen Chur-Dreibündenstein AG, nach der Abstimmungsniederlage. Nun müssten Alternativen her. Die Planung beginnt praktisch wieder bei null. Engler spricht von einer «Herkulesaufgabe». Zeitlich und finanziell. Ein Ersatzbau benötige sicher «vier bis fünf Jahre».
Im Fokus steht der Ersatz der oberen Bahn. Zwar wurde dieses Szenario vor Jahren schon mal diskutiert, dann aber zugunsten einer neuen Direktverbindung vom Tal auf den Berg verworfen.
Ersatzbau nötig
Das viel Zeit verloren ging, finden auch die Gegner des 40-Millionen-Projekts, allen voran die SVP. Sie hatte schon 2019 dafür plädiert, dass zwei Varianten zur Abstimmung kommen sollten. Eine neue Direktverbindung, wie sie nun abgelehnt wurde, oder nur einen Neubau der oberen Bahn.
Letztere wäre für Ex-SVP-Gemeinderat Mario Cortesi die sinnvollere Variante. «Hätte man vor sieben Jahren bereits über zwei Varianten abstimmen lassen, wäre eine neue Bahn schon längst in Betrieb», mutmasst der Politiker.
Wie er und das Nein-Komitee (SVP, SP, FDP) vorschlagen, soll das Parlament nun dem Stadtrat den Auftrag geben, zusammen mit den Bahnbetreibern eine neue Lösung zu finden. Auch für den Churer Stadtpräsidenten Hans Martin Meuli ist klar, dass die Bahn ersetzt werden muss.
Die Brambrüesch-Bahn solle aufzeigen, wie es konkret weitergehen könnte. Der bereits bewilligte Kredit von über 24 Millionen Franken darf nur für eine Direktverbindung verwendet werden, nicht aber für den Ersatz nur einer Bahn.
Weiter schreibt die Stadt: Wenn bis Ende 2029 kein bewilligungsfähiges Projekt vorliege, sei die Stadt von jeglichen Verpflichtungen gegenüber der Bahn befreit.