Der Zürcher Stadtteil Affoltern wächst. Bis 2040 werden dort voraussichtlich über 30'000 Menschen leben, rund 70 Prozent mehr als im Jahr 2000. Nun soll auch der öffentliche Verkehr im Quartier mit dem Bevölkerungswachstum Schritt halten.
Der Plan: Affoltern soll mit einer neuen Verbindung ans Zürcher Tramnetz angeschlossen werden. Die Linie 11 soll künftig die geplante Strecke von der Haltestelle Brunnenhof bis zur Station Holzerhurd bedienen. Damit wird das Quartier Affoltern direkt mit dem Zürcher Hauptbahnhof, der Bahnhofstrasse und dem Zürichsee verbunden.
Den Grossteil der Route verkehrt das Tram auf einem Eigentrassee. Dieses verläuft in der Mitte der Wehntalerstrasse und wird abschnittsweise mit einer Magerwiese begrünt.
Die neue Tramstrecke soll den 32er-Bus, der die Passagiere bislang nach Affoltern brachte, ersetzen. Die Bus-Verbindung stösst aufgrund des Bevölkerungswachstums an ihre Kapazitätsgrenzen und soll deshalb künftig am Bucheggplatz enden.
Um den Baustart im Jahr 2028 nicht zu gefährden, will die Stadt Zürich vorwärtsmachen. Die Bevölkerung entscheidet deshalb am 14. Juni über einen Kredit von 160 Millionen Franken für das Tram Affoltern. Und dies, obwohl die Mitfinanzierung durch den Kanton (gut 360 Millionen Franken) noch nicht in trockenen Tüchern ist.
Mehr ÖV, zu wenig Auto?
Gerade deshalb betont der Zürcher Stadtrat die Wichtigkeit des Projekts. Nicht nur werde die Passagierkapazität erhöht, auch der ÖV-Betrieb werde dadurch stabiler und zuverlässiger. Zudem erhalte die Wehntalerstrasse durchgängige Velospuren auf beiden Seiten, sichere Fusswege und oberirdische Querungsmöglichkeiten.
Hinter dem Kredit von 160 Millionen Franken steht auch der Zürcher Gemeinderat. In der Debatte im März sprach sich eine Mehrheit aus SP, FDP, Mitte, EVP und Teilen der GLP für das Projekt aus. Die Parteien waren der Ansicht, dass Affoltern auf das Tram angewiesen sei. Zudem würden Bund und Kanton den grössten Teil der Ausgaben stemmen.
Die Gegner der Vorlage – namentlich AL, Grüne, SVP und Teile der Grünliberalen – stören sich vor allem an 60 Millionen Franken, die der Stadtrat zusätzlich für das Tram einschiesst, obwohl dies Sache des Kantons wäre. Zudem stelle das Projekt den Autoverkehr zu sehr in den Fokus, sagen die linken Gegner. Die SVP hingegen sieht den Individualverkehr benachteiligt.
Auch der Kanton muss zustimmen
Dass es neue Tramverbindungen nicht immer einfach haben, zeigt ein Blick in andere Regionen. Hohe Kosten lösen oft Widerstände aus. So war etwa primär das Geld Grund für das Nein des Baselbiets 2021 zu einer Tramverlängerung von Pratteln nach Augst. Und in Basel-Stadt wurde 2014 eine Tramanbindung für das neue Erlenmatt-Quartier abgelehnt.
Nur: Auch wenn es in Zürich anders kommt und sich in der Stadt die Befürworter der Vorlage durchsetzen, ist das Tram Affoltern noch nicht beschlossene Sache. Auch das Zürcher Kantonsparlament muss seinen Kostenanteil noch durchwinken. Und kommt es da zu einem Referendum, muss sich das Stimmvolk des ganzen Kantons mit dem Tram Affoltern beschäftigen.