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Ärzte-Nachwuchs im Spital Nach dem Medizinstudium schlägt die Zukunftsangst zu

Angehende Ärztinnen und Ärzte befürchten, den Schritt ins Spital oder in die Praxis zu verpassen: Es fehlen die Weiterbildungsplätze.

Ein langer Weg: Zulassungstest, Medizinstudium, Assistenzzeit – kleines Spital oder Praxis, grosses Spital, dann Fachtitel: Der Weg zur Ärztin, zum Arzt ist lang in der Schweiz. Nun stellen Studierende fest, dass der Berufseinstieg schwierig ist: «In der Deutschschweiz sind diese Stellen bis ins Jahr 2028/2029 vergeben», sagt Assistenzärztin Nelly Blindenbacher, die sich im Verband der Assistenz- und Oberärzte VSAO engagiert. Auch die Vereinigung der Medizinstudierenden spricht davon, dass sich ihre Mitglieder um ihren beruflichen Werdegang sorgen.

Müde Krankenschwester sitzt auf Stuhl.
Legende: Studierende der Medizin sorgen sich vermehrt um ihre berufliche Zukunft. Shutterstock

Spitäler unter Druck: Die Beobachtungen der Studierenden teilt die Fachgesellschaft für Allgemeine und Innere Medizin: «Das hat wahrscheinlich dazu geführt, dass wir jetzt einen Flaschenhals haben», sagt Christoph Knoblauch – Co-Präsident der Fachgesellschaft und Chefarzt am Spital Nidwalden. Mögliche Erklärungen dafür sind, dass Spitäler unter finanziellem Druck Weiterbildungsstellen streichen oder Abteilungen und Standorte schliessen. Eine Gesamtschau dazu gibt es nicht, doch der Kanton St. Gallen zeigt: Die Zahl der Einstiegsstellen ist um ein Drittel gesunken, die Zahl der Assistenzstellen ab dem dritten Erfahrungsjahr hat sich verdoppelt (2017–2024).

Spitalverband bestätigt: Es sei paradox, schreibt auch der Verband der Spitäler H+: «Einerseits gibt es weiterhin einen erheblichen Bedarf an Ärztinnen und Ärzten, andererseits erleben Medizinstudentinnen und junge Ärzte zunehmend Engpässe und Verzögerungen beim Einstieg oder in Übergangsphasen.» H+ beobachtet dies vor allem in der Deutschschweiz und in den beliebten Fachrichtungen. Die Anzahl der Assistenzstellen könne in den Kliniken und Spitälern nicht im gleichen Masse wachsen wie an den Universitäten – ausser sie könnten finanziert werden.

Vor dem Umbruch: In den vergangenen Jahren hat die Schweiz zwar die Anzahl der Medizinstudienplätze erhöht. Gleichzeitig ist der Anteil an Ärztinnen und Ärzten mit ausländischem Diplom auf rund 40 Prozent angestiegen. Der VSAO fordert, die Anzahl der Weiterbildungsplätze dürfe nicht vergessen werden. Mögliche politische Massnahmen besprechen Bund, Kantone und Hochschulen – auch zur Anzahl der Plätze in der Aus- und Weiterbildung. Ein Bericht dazu ist versprochen, zumindest für die medizinische Grundversorgung (2027). Die Weiterbildungsstellen hätten insgesamt zugenommen, schreibt der Bund.

Droht eine Unterversorgung? Die Prognosen des Bundes gehen davon aus, dass in der Schweiz künftig mehr medizinisches Fachwissen gefragt sein wird. Erstens wächst die Bevölkerung und wird älter, zweitens erreichen viele Ärztinnen und Ärzte in den nächsten Jahren ihrerseits das Pensionsalter. Die Anzahl der Menschen über 80 Jahre wird sich gemäss Prognosen in den nächsten 30 Jahren verdoppeln. Ohne Gegenmassnahmen droht gemäss Bund eine Unterversorgung – insbesondere in den Bereichen Hausarztmedizin, Psychiatrie und Psychotherapie sowie in der Kinder- und Jugendmedizin.

Echo der Zeit, 21.06.2026, 18 Uhr;liea

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