Debatte um Alkohol: Einige Politiker und die Gastrobranche wehren sich gegen die Stigmatisierung von Alkohol durch die Weltgesundheitsorganisation WHO. Diese schätzt jeden Tropfen Alkohol als mögliches Gesundheitsrisiko ein. Keine Menge Wein oder Schnaps sei unbedenklich. Diese Einschätzung hält die neu gegründete Allianz «Gaudium Suisse» für wissenschaftlich nicht haltbar.
Kein wissenschaftlicher Konsens: Der St. Galler Ständerat Benedikt Würth kämpft an vorderster Front gegen die Nulltoleranz-Strategie der WHO aus dem Jahr 2023. Sie sei aus wissenschaftlicher Sicht falsch. Die Fachleute seien sich nicht einig in dieser Frage, sagt der Politiker der Mitte-Partei. Bisherige Studien zum Thema überzeugen ihn nicht: «Sie zeigen zwar Zusammenhänge, aber können letztlich nicht beweisen, dass Alkohol Krankheiten verursacht oder allenfalls auch die Gesundheit verbessert.»
Gegensteuer mit neuer Initiative: Deshalb hat Benedikt Würth mit Gleichgesinnten aus Politik, Gastro-, PR- und Alkoholbranche eine Initiative gegründet; die Allianz «Gaudium Suisse»: Sie steht für Genuss mit Haltung, damit ist eigenverantwortlicher Konsum gemeint. Die Initiative will eine Stimme sein für die betroffene Branchen, die mit Bier, Wein und Schnaps zu tun haben. 12 Männer und eine Frau wehren sich gegen eine, wie sie sagen, «Verteufelung» des Alkoholkonsums.
Eine neue Alkohollobby? Mit der Gaudium Suisse Allianz bekennen sich Benedikt Würth und seine Mitstreiter als Unterstützer der Alkohollobby. Selber sieht sich der Mitte-Ständerat nicht in dieser Rolle: «Wenn man mich als Alkohollobbyist kritisiert, ist mir das eigentlich egal». Er sei in keiner Lobbyorganisation. Sein Engagement begründet er mit seiner Überzeugung. Er setze sich für eine freiheitliche Gesellschaftsordnung ein und wehre sich wenn nötig.
Kollegin widerspricht: Für Würths Ständerats-Kollegin Flavia Wasserfallen von der SP ist der wissenschaftliche Konsens beim Thema Alkoholkonsum hingegen glasklar: «Bereits geringe Alkoholmengen können das Risiko für Krebs, Herzrhythmus-Störungen oder Lebererkrankungen erhöhen.» Zweifel an dieser Evidenz gebe es nicht, die Wissenschaft sei sich einig.
Parallelen zu Tabakindustrie? Das Engagement ihres Ratskollegen Würth erinnert die Berner SP-Ständerätin an die Tabak-Industrie, diese wehre sich seit Jahren vehement gegen Regulierungen für Raucherwaren. Dies aus ökonomischen Interessen. Auch die Gegner von strengeren Richtlinien für Alkohol wehrten sich vor allem gegen Werbeeinschränkungen, Steuerabgaben und Konsumempfehlungen. Auch bei der Nachfrage hat Alkohol heute einen schwereren Stand: Statistiken zeigen, dass in der Schweiz immer weniger Wein getrunken wird.