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Alpine Solaranlagen Chancen und Grenzen beim «Solarexpress»

In den Schweizer Alpen sollen grosse Solaranlagen im Winter viel Strom liefern. Deshalb hat die Schweiz vor gut drei Jahren den sogenannten «Solarexpress» lanciert. Ende 2025 endet nun die Frist, um solche Solaranlagen öffentlich aufzulegen. Die bisherigen Erfahrungen liefern durchaus bemerkenswerte Erkenntnisse.

Bevölkerung steht oft hinter alpinen Solaranlagen

Auffällig ist zuerst einmal das Tempo: Vor drei Jahren bestanden die ersten Solaranlagen in den Alpen nur gerade auf Papier. Jetzt, drei Jahre später, sind in den Kantonen Graubünden und Uri insgesamt vier Anlagen im Bau und liefern Strom. Das zeigt, dass die Schweiz durchaus noch grosse Vorhaben zügig umsetzen kann. Das gelingt aber nur, wenn alle am selben Strick ziehen: Politik, Initianten, Behörden, Umweltschutz­organisationen und Bevölkerung.

Insbesondere der politische Rückhalt in der jeweiligen Region ist entscheidend. Rund der Hälfte aller geplanten Vorhaben hat die lokale Bevölkerung zugestimmt. Offensichtlich akzeptieren die Leute solche Anlagen in ihrer unmittelbaren Nähe. Das oft kolportierte Argument, dass «niemand» solche Bauten wolle, widerlegt der «Solarexpress».

Gewisse Projekte wären auch nicht so weit fortgeschritten, wenn nicht die Umweltschutz­organisationen Hand geboten hätten. Sie haben nicht per se gegen sämtliche Projekte opponiert, sondern situativ auf ihren Anliegen beharrt. Diesbezüglich wird oft übersehen, dass es zwischen den Projekten erhebliche Qualitätsunterschiede gibt, etwa bezüglich der Standortwahl oder der Ausgestaltung der Anlage.

Die Energiekonzerne stehen auf der Bremse

Der «Solarexpress» zeigt allerdings auch die Grenzen auf. Die Idee, im Winter in den Alpen mittels Solaranlagen grosse Mengen Strom zu produzieren, dürfte scheitern. Die sich in der Umsetzung befindlichen und geplanten Anlagen werden das Ziel von zwei Terrawattstunden nicht annähernd erreichen. Dieser Umstand hat unter anderem mit der Zurückhaltung der Energieversorgern zu tun.

Für die Stromunternehmen ist der «Solarexpress» Herausforderung und Steilpass zugleich. Jahrelang haben die Firmen geklagt, dass in der Schweiz im Bereich der erneuerbaren Energie kaum neue Projekte möglich seien, da sie oft auf Widerstand stiessen. Mit dem «Solarexpress» hat die Politik die Hürden für Vorhaben gesenkt.

Doch nun zeigt sich, dass die Energiekonzerne diese Vorlage nur zaghaft und widerwillig nutzen: Die Kosten für alpine Solaranlagen sind sehr hoch und entsprechend schwierig ist es, Abnehmer für den teuren Strom zu finden. Kostenmässig fallen vor allem die Stahlkonstruktionen ins Gewicht, auf denen die Solarpanels montiert sind. Hier fordern das alpine Gelände und die harschen Witterungsbedingungen ihren Tribut.

Einige Energieversorger realisieren zwar einzelne Anlagen, um sich nicht dem Vorwurf aussetzen zu müssen, die politische Vorlage nicht genutzt zu haben. Aus wirtschaftlicher Sicht sind sie aber nicht sonderlich erpicht, weitere Vorhaben zu bauen. Diesbezüglich wären die Eigentümer der Energieversorger – in der Regel Gemeinden und Kantone – gefragt: Sie müssten klären, welchen Preis die Stromversorgung haben soll und darf oder ob ihnen sprudelnde Dividenden doch wichtiger sind. Bislang haben sich die Eigentümer diesbezüglich ihrer Verantwortung weitgehend entzogen.

Das Experiment «Solarexpress» taugt beim Ausbau der erneuerbaren Energie in vielerlei Hinsicht als Vorlage: Es zeigt das Machbare und die Grenzen.

Matthias Heim

Wirtschaftsredaktor

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Matthias Heim hat Wirtschaftsgeschichte studiert. Seit 2007 arbeitet er für Radio SRF, seit 2016 ist er Wirtschaftsredaktor. Seine Spezialgebiete sind Aviatik, Tourismus, Verkehr, Detailhandel und Energie.

Tagesschau, 31.12.2025, 19:30 Uhr;liea

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