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Alte Reussbrücke Mellingen AG Aargauer Brücke um 2.6 Meter angehoben – für kommende Hochwasser

Wenn eine historische Brücke mehrere Meter angehoben wird, braucht es Fingerspitzengefühl. Ein Augenschein im Aargau.

Historische Schweizer Brücken wie die Luzerner Kapellbrücke entzücken Einheimische und Touristinnen. Es gibt aber auch weniger bekannte Brücken, die nicht nur zwei Flussseiten miteinander verbinden, sondern anderweitig auf sich aufmerksam machen. Ein Beispiel ist die Reussbrücke in Mellingen AG, die Anfang Juli angehoben werden musste. Nur so kann sie kommende Hochwasser überstehen.

Brücke mit rotem Netz über einem Fluss, umgeben von Gebäuden.
Legende: Die Reussbrücke wurde im Mittelalter dort gebaut, wo die Reuss schmal ist. Für die Brückenbauer praktisch, aber aus heutiger Sicht nicht ideal bei Hochwasser. Deshalb wird die Brücke nun dauerhaft angehoben. SRF/Kim Lehmann

Um das Jahr 1250 wurde die erste Brücke über die Reuss an dieser Stelle gebaut. Später wurde hier eine Holzbrücke erstellt. Sie musste 1928 einer Stahlkonstruktion weichen, damit der Verkehr über die Reuss passieren konnte.

Hochwassergefahr droht

Die Reuss ist hier sehr schmal, was aber bei Hochwassern alles andere als ein Vorteil ist. «Bei einem 30-jährigen Hochwasser steht der untere Teil der Brücke im Wasser», erklärt Christian Birchmeier, Projektleiter Brückenbau beim Kanton Aargau.

Zwei Arbeiter auf einem Gerüst bei einer Baustelle mit Betonwand und Kran.
Legende: Angestellte der Baufirma bei der Arbeit in Mellingen. SRF/Kim Lehmann

Bei den Bauarbeiten ist genaues Arbeiten gefragt. Vier Pressen und vier Stapeltürme haben die Brücke Anfang Juli mithilfe einer Hydraulik Zentimeter für Zentimeter angehoben. Die Brücke wird bis zum Abschluss der Arbeiten auf einem Stahlrahmen gelagert.

Die Reussbrücke ist 350 Tonnen schwer. Sie hat in den letzten Jahrzehnten unter dem starken Auto- und Lastwagenverkehr gelitten. Unterdessen ist die Betonkonstruktion in schlechtem Zustand. Die Beschichtung der Stahlträger ist defekt und rostet. Deshalb muss die Brücke saniert werden.

Baustelle mit alten Gebäuden im Hintergrund.
Legende: Die Stahlkonstruktion von 1928 ist in schlechtem Zustand. Unter anderem könnten die Stahlträger rosten. Für die Sanierung wurde die Brücke angehoben. Kanton Aargau

Für die Stahlbauarbeiten wurde unter der Brücke ein Schutznetz montiert. Es könnten Teile abbrechen. Zudem braucht es für die Arbeiten am Korrosionsschutz eine Zeltkonstruktion um die Brücke. Bei den Sandstrahlarbeiten soll nichts ins Wasser gelangen. Für diese Arbeiten musste die Brücke angehoben werden.

Am Schluss kann man die Brücke aber nicht 2.6 Meter weiter oben belassen. Der Flussübergang soll mit der Altstadt und dem Stadttor in Einklang bleiben. Mithilfe von Simulationen des Kantons wurde festgestellt, dass 40 Zentimeter mehr Höhe reichen, damit die Brücke kommende Hochwasser besser übersteht. Deshalb wird sie nächstes Jahr auf diese wieder abgesenkt, aber nicht zurück auf die Originalhöhe gebracht.

Seit der Eröffnung der Umfahrung Mellingen 2022 wird die Brücke nicht mehr täglich von 15'000 Fahrzeugen am Tag befahren. Eine Sperrung ist deshalb kein Problem. Fussgängerinnen und Velofahrer, die ihr Zweirad schieben, nutzen in der Zwischenzeit den nah gelegenen Städtlisteg.

Arbeiten dauern bis 2027

Ab August 2026 wird die Brückenplatte in Stücke zerschnitten und herausgehoben. Anschliessend wird die ganze Brücke luftdicht mit einer Zeltkonstruktion eingehaust. So kann der bestehende Farbanstrich, der auch als Korrosionsschutz dient, entfernt werden.

Bauarbeiter an einer Baustelle mit einem Kran und Gebäuden im Hintergrund.
Legende: Die Beschichtung des Stahls ist nicht mehr intakt. Die Stahlbrücke rostet. Im Bild der Blick auf die Brücke, im Rücken befindet sich das Stadttor. SRF/Kim Lehmann

Im Frühling 2027 wird die Brücke wieder abgesenkt und 40 Zentimeter höher als früher befestigt. Und die Fahrbahnplatte wird neu betoniert. Bis im Sommer 2027 sollten alle Arbeiten abgeschlossen sein, heisst es beim Kanton Aargau. Bis dahin wird über dem Wasser gearbeitet – Schritt für Schritt, Zentimeter für Zentimeter.

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Regionaljournal Aargau Solothurn, 08.07.2026, 17.30 Uhr ; 

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