Bezahlen ist umkämpft. Doch hier geht es nicht darum, dass manche für alles chronisch weniger bezahlen möchten, hier geht es um den Markt der Bezahlmodelle. Es gibt die Möglichkeit, bar zu bezahlen. Doch spätestens seit Corona sind andere Bezahlmethoden wie Kreditkarten mit Siebenmeilenstiefeln auf dem Vormarsch.
Neben Visa, Mastercard oder den Schweizer Systemen Postcard oder Twint kämpfen auch Google und Apple um einen Platz auf dem Markt. Im Vergleich mit den etablierten Kreditkartenfirmen und den Tech-Giganten wirkt das alternative Projekt Verd eher wie ein Knirps.
Stärkung der Gemeinschaft als Ziel einer Bezahlkarte
Doch es ist nicht nur die Grösse, die Verd von den anderen Wettbewerbern unterscheidet. Es ist auch die Ausrichtung und die Organisation als Genossenschaft. «Das Ziel von Verd ist, durch die Stärkung der Gemeinschaft die Selbstbestimmung zu fördern», heisst es auf der Webseite von Verd.
Gründer von Verd ist Christian Wohlwend. Er wohnt in Riggisberg, im Berner Mittelland. Vor seinem Engagement für Verd war er Betriebsleiter beim Stadtberner ÖV-Unternehmen Bernmobil.
Er sieht Verd als faire Alternative zu den Bezahlsystemen der Grosskonzerne. «Dort, wo hohe Margen angesetzt werden, dort, wo ein paar wenige Leute viel Geld verdienen, dort, wo Geld ins Ausland abfliesst, gehen wir mit Verd hin und bieten eine gleichwertige Alternative.»
Das Prinzip der Bezahlkarte der kleinen Genossenschaft funktioniert so: Wenn jemand mit «Verd» in einem Laden in einer Gemeinde bezahlt, muss dieser weniger hohe Transaktionsgebühren bezahlen als bei Mastercard, Visa oder Twint.
Ein Teil der Gebühren fliesst ausserdem an die Standort-Gemeinden zurück, sodass diese damit gemeinnützige Projekte finanzieren können, zum Beispiel einen Spielplatz, oder – so wie in Luterbach SO kürzlich geschehen – ein Dorffest.
Verd verlangt eine Transaktionsgebühr von 0.6 Prozent. Zum Vergleich: Die Nummer eins in der Schweiz, Worldline, verlangt grundsätzlich 1.4 Prozent. Allerdings: Grössere Ladenketten können Spezialverträge abschliessen und bessere Konditionen für sich aushandeln. Wie hoch die Gebühren im Einzelnen wirklich sind, ist deshalb nicht transparent.
23 Gemeinden, 200 Geschäfte, 1400 Personen
Zurzeit kann man in der Schweiz allerdings erst in etwa 200 Geschäften mit Verd bezahlen. Zum Beispiel in der Schuhmacherei Schlaarpe Büezer in Huttwil, in der Confiserie Suteria in Solothurn und Olten, bei Stüdis Hofladen in Deitingen oder im Farbenhaus Uri in Schattdorf.
1400 Personen nutzen die Karte, 23 Gemeinden unterstützen die Idee von Verd, rund die Hälfte dieser Gemeinden liegt im Kanton Bern.
Das reicht nicht aus, um den Betrieb der Karte aufrechtzuerhalten. Verd hat schliesslich knapp vier Vollzeitstellen, die dafür sorgen, dass die Bezahlung mit der alternativen Karte auch funktioniert. Deshalb ist die Genossenschaft aktuell auf Spenden angewiesen, um zu überleben.
Die «Allianz der Willigen»
Da mag es kaum verwundern, dass die Idee von Christian Wohlwend auch immer wieder auf Skepsis stösst: «Ich werde immer gefragt, wo der Haken sei.» Doch es gebe keinen. Zwar sei Verd noch klein, aber die Anzahl der Teilnehmenden wachse. «Wir sind eine Allianz der Willigen, und wenn jemand nicht will, ist das auch okay.»