- Der ehemalige Finanzverwalter von Vechigen BE muss sich wegen gewerbsmässigen Betrugs in Millionenhöhe vor Gericht verantworten.
- Die Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte hat Anklage erhoben.
- Der heute 68-jährige Schweizer soll von 2011 bis 2022 Darlehensverträge abgeschlossen haben, wobei er vortäuschte, im Namen der Gemeinde zu handeln.
Jahrzehntelang amtete er als Finanzverwalter der Gemeinde Vechigen, zehn Kilometer von Bern entfernt. In ebendieser Funktion soll er mehrere Millionen Franken erschlichen haben. «Der Mann soll vorgetäuscht haben, dass er Darlehensverträge im Namen der Einwohnergemeinde Vechigen abgeschlossen hat», sagt Céline Perreten, Staatsanwältin für Wirtschaftsdelikte. Dafür habe er mutmasslich Unterschriften und Dokumente gefälscht.
Auch soll sich der Mann unerlaubt Zugang zum Onlinebanking der Gemeinde verschafft haben. Die Anklage umfasst weiter eventuelle ungetreue Amtsführung, mehrfachen betrügerischen Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage und mehrfache Urkundenfälschung.
Deliktsbetrag weit mehr als vier Millionen Franken
Mit dem Geld soll der Mann private Börsengeschäfte getätigt haben. «Andererseits hat er Vermögensschäden, die er zuvor selbst verursacht hatte, wieder gedeckt», sagt Perreten. Darum sei der Deliktsbetrag deutlich höher als der offene Schaden, der sich auf vier Millionen Franken belaufe.
Auslöser für die Ermittlungen war eine Anzeige der Einwohnergemeinde Vechigen im August 2022. Sie hatte Hinweise auf betrügerisches Verhalten. Daraufhin eröffnete die kantonale Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte eine Strafuntersuchung.
Geschädigte sind Gemeinden und Versicherungen
«Es gibt zahlreiche Geschädigte», sagt Staatsanwältin Perreten. Neben Gemeinden seien auch Versicherungen betroffen. Genauere Angaben zur Anzahl macht sie jedoch nicht. Gewiss ist indes: Zu den Geschädigten gehört auch die Gemeinde Ittigen. Sie hatte der Gemeinde Vechigen Ende 2021 ein Darlehen von vier Millionen Franken gewährt. Wie sich im Nachhinein herausstellte, soll Vechigens Finanzverwalter das Darlehen in Eigenregie aufgenommen und Unterschriften des Gemeinderats gefälscht haben.
Was genau die Staatsanwaltschaft beantragen wird, dazu äussert sich Céline Perreten nicht. Nur so viel: «Wir haben vor dem Kollegialgericht angeklagt – und dort klagt man, wenn man eine Strafe von über zwei Jahren fordert.» Wann der Prozess am Wirtschaftsstrafgericht stattfindet, ist noch unklar.
Ermittlungen zu Handlungen vor dem Jahr 2011 stellte die Staatsanwaltschaft ein. Diese seien verjährt.