Die Appenzeller Silvesterchläuse sind Touristenmagnet und gelebtes Brauchtum in einem. Am neuen und alten Silvester ziehen die Chlausengruppen, die sogenannten Schüppel, über die Hügel des Appenzellerlandes. Sie machen Halt bei den Höfen und wünschen ein gutes Neues Jahr.
Mit ihren bunten oder furchterregenden Kostümen sind sie ein Blickfang. Die aufwendigen Hauben und Masken sind altes Appenzeller Handwerk. Ihm hat sich auch Niklaus Frehner aus Urnäsch/AR verschrieben. Als Sattler verziert er unter anderem die typischen Appenzeller Gürtel.
Neue Masken sollen länger halten
Jeweils im Herbst macht sich Frehner an die Arbeit für die Chlausengruppen. Er produziert Masken und hosenträgerähnliche Gestelle, an denen Schellen befestigt werden. Ihre Träger sind die sogenannten «Rolliwiiber», die Frauencharaktere des Alten Silvesters.
Bis vor ein paar Jahren wurden die Frauenmasken aus Leinenstoff und Wachs hergestellt. «Unter der Maske schwitzte man, sie wurde weich und verformte sich», erinnert sich Niklaus Frehner. Alle paar Jahre mussten die Masken in einem aufwendigen Prozedere ersetzt werden.
Vom Rohling zur fertigen Maske
Seit einigen Jahren stammen die Rohlinge aus dem 3D-Drucker. Sie werden von einer Firma in Appenzell Innerrhoden hergestellt. Danach beginnt die Arbeit von Sattler Frehner. Er grundiert die Masken mit einem Airbrush. Von Hand zeichnet er Augenbrauen, Wimpern und Mund.
Frauenmasken aus dem Drucker
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Bild 1 von 2. Der Rohling aus dem 3D-Drucker (links) hat bereits eine hautähnliche Grundfarbe. Im Atelier von Niklaus Frehner erhält die Maske einen rosigen Teint... Bildquelle: SRF / Christian Masina.
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Bild 2 von 2. …und mit Pinsel und Farbe den Feinschliff. Bildquelle: SRF / Christian Masina.
Das Material aus dem Drucker ist poröser als die bisherigen Wachsmasken. Das Bemalen der unebenen Oberfläche nimmt viel Zeit in Anspruch. «E choge Geegelete (mühsame Kleinarbeit)», sagt Niklaus Frehner lachend. Bis die aktuelle Maskenform gefunden wurde, waren einige Prototypen nötig. Noch immer sei der Augenabstand nicht ganz optimal und die Sicht eingeschränkt.
Moderne Technik und archaische Tradition schliessen sich für den Ausserrhoder Larvenmacher nicht aus – im Gegenteil. Die Silvesterchläuse würden mit der Zeit gehen. Einige der aufwendigen Hauben, in denen oft Szenen aus dem bäuerlichen Leben dargestellt sind, stammen unterdessen ebenfalls aus dem 3D-Drucker. Oder sie werden am Computer gezeichnet und danach auf einer Maschine mit Wasserstrahl ausgeschnitten.
«Brauchtum darf sich weiterentwickeln», so Niklaus Frehner. Und so ziehen auch dieses Jahr am 13. Januar die unverkennbaren Silvesterchläuse von Hof zu Hof und lassen sich zum Dank Wein, Glühwein oder Most geben.