Arbeitnehmer 50+: Wie Firmen sich um ältere Mitarbeiter bemühen

Vielen Firmen fehlt der Nachwuchs und mit Frühpensionierungen geht viel Wissen und Berufserfahrung verloren. Deshalb wollen einige Firmen ältere Leute über das Pensionsalter hinaus beschäftigen. Allerdings stimme der finanzielle Anreiz dazu nicht, sagt ein Arbeitsmarktprofessor.

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Bildlegende: Postzusteller bei der Arbeit: Staatsnahe Betriebe wie die Post suchen nach Konzepten für ältere Arbeitnehmer. Keystone

Es sind vor allem staatsnahe Unternehmen wie die Post oder die SBB, die derzeit vorangehen. Für ihre neuen Gesamtarbeitsverträge haben sie Modelle ausgearbeitet, die es älteren Mitarbeitenden erlauben, länger im Arbeitsleben zu verbleiben.

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Ältere besser integrieren

Ältere besser integrieren

Unter der Leitung von Bundesrat Johann Schneider-Ammann haben sich Vertreter von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen auf insgesamt 12 Punkte geeinigt: Diese sollen es über 50-Jährigen vereinfachen, eine Stelle zu finden. Hören Sie hier mehr.

Für Arbeitsmarktprofessor George Sheldon ist es nicht verwunderlich, dass gerade diese Unternehmen hier eine Pionierrolle spielen. «Post und SBB sind als staatliche Betriebe nicht in gleichem Masse dem Wettbewerb ausgesetzt wie Firmen der Privatwirtschaft. Es ist für sie leichter, etwas, das ökonomisch nicht ganz sinnvoll ist, zu verkraften.»

Teilzeitarbeit und Weiterbildung für Ältere

Im Vordergrund steht das Thema Altersteilzeit: Man nimmt an, dass Mitarbeitende über 50 zum Beispiel einen körperlich anstrengen Beruf länger ausüben können, wenn sie nur noch Teilzeit arbeiten müssen.

Konkret plant die Post deshalb, dass Mitarbeitende künftig ab dem 58. Altersjahr Teilzeit arbeiten dürfen. Dafür können Frauen bis zum 65. Altersjahr arbeiten, wenn sie dies wollen. Beiden Geschlechtern steht es offen, auch über das Pensionsalter hinaus zu bleiben, wenn dies ihrer Abteilung dient. Zudem soll bei der Post auch die Weiterbildung nicht mehr nur jüngeren Mitarbeitenden vorbehalten sein. Der neue GAV muss allerdings von den Sozialpartnern noch ratifiziert werden.

Berufserfahrung als wertvolles Gut

Bereits beschlossen ist eine neue Form der Altersteilzeit bei den SBB. Dort können Mitarbeitende ab 62 ihre Arbeitszeit reduzieren. Durch die sinkende Belastung sollen auch sie länger im Unternehmen bleiben können – wenn sie wollen bis 67.

Solche Massnahmen seien vor allem in Unternehmen möglich, deren Stellenprofile sich nicht so schnell ändern. «In Bereichen, wo der technische Wandel nicht so schnell vorwärts geht, sind ältere qualifizierte Leute immer noch sehr gefragt und bringen natürlich viel Berufserfahrung mit. Das ist ein wertvolles Gut», sagt Sheldon.

In hochtechnisierten Berufen wird es schwierig

Bei hochspezialisierten Berufen hingegen, in denen modernste Kenntnisse gefragt sind, sei es nicht unbedingt im Interesse der Firma, ältere Mitarbeitende bei der Stange zu halten.

Die Swisscom beispielsweise wird immer mehr von einem klassischen Telecom-Anbieter zu einer IT-Firma. Viele alte Berufsbilder sind dort nicht mehr gefragt. Zwar ist die Firma dazu übergegangen, ältere Mitarbeitende vermehrt in der Betreuung älterer Kunden einzusetzen. Aber die Swisscom unterstützt auch Frühpensionierungen finanziell – geht also eher den umgekehrten Weg.

«  Wenn man will, dass Leute über 65 arbeiten, sollte man es finanziell attraktiver gestalten. Momentan ist es einfach eine Steuer, ohne Gegenleistung. »

George Sheldon
Arbeitsmarktprofessor

Ganz generell fragt sich Arbeitsmarktprofessor George Sheldon sowieso, ob die Altersteilzeit über die Pensionierung hinaus der richtige Weg ist, um zukünftigen Fachkräftemangel zu lösen.

Denn mit dem heutigen Rentensystem kommen die Arbeitnehmer nicht besonders gut weg. Wer über das ordentliche Pensionsalter hinaus arbeitet, zahlt auch weiter in die AHV ein: «Wenn man will, dass Leute über 65 arbeiten, sollte man es finanziell attraktiver gestalten. Momentan ist es einfach eine Steuer, ohne Gegenleistung.»

Es müssten also noch andere Wege gefunden werden, falls man den Fachkräftemangel künftig wirklich mit weniger ausländischen Mitarbeitern lösen wolle.