Es ist eine «Arena» der anderen Art. Die Parteispitzen stehen nicht wie gewohnt an ihren Pulten, sondern sitzen gemeinsam am Runden Tisch und sind sich für einmal alle einig. Die «Arena»-Gäste finden im gemeinsamen Gedenken an die Brandopfer, Verletzten und deren Angehörigen zusammen. Die Trauer stellt Ideologie und politische Forderungen in den Hintergrund.
Mitte-Präsident Philipp Matthias Bregy hat der Gedenkfeier in Martigny beigewohnt. «Diese Trauer und diese Gesichter gehen tief unter die Haut», berichtet der Walliser eingangs. Insbesondere die Rede dreier Jugendlicher habe Mut gemacht und Hoffnung geweckt, dass dieser Trauertag nicht nur dem Land, sondern auch den betroffenen Familien Kraft gebe. «Bei dieser ergreifenden Trauerfeier hat man gespürt, wie wichtig es ist, dass man in solchen Momenten zusammensteht», führt er aus.
Zusammen mit ihrer Tochter habe FDP-Co-Präsidentin Susanne Vincenz-Stauffacher die Gedenkfeier vor dem Bildschirm verfolgt. Jene Tochter befand sich am französischen Nationalfeiertag 2016 in Nizza und wurde hautnah Zeugin eines Terroranschlages, der über 80 Menschenleben forderte. In diesem Moment habe Vincenz-Stauffacher eine Ohnmacht gefühlt, ein unbeschreibliches Gefühl, das sie im Zuge der Brandtragödie nachempfunden habe. Überdies habe die St. Gallerin eine tiefe Dankbarkeit für die internationale Solidarität verspürt.
SP-Co-Präsident Cédric Wermuth schliesst sich seinen Vorrednern an und beurteilt die Trauerfeier ebenfalls als «würdig». «Während der Gedenkfeier habe ich das Wechselbad der Gefühle nochmals durchgemacht», beschreibt Wermuth. Dieses habe von einem anfänglichen Schock zu Mitgefühl und grosser Trauer gereicht und ging schliesslich in Wut und Unverständnis über.
«Vor einigen Jahren war meine älteste Tochter in dieser Bar in Crans-Montana», berichtet indes Thomas Matter, SVP-Vizepräsident und vierfacher Vater. Als er von der Tragödie gehört habe, sei ihm schlecht geworden. Wie auch für die übrigen «Arena»-Gäste stehe für ihn an diesem Tag die Trauer im Zentrum. Damit die Politik aktiv werden könne, müssten zuerst die Fakten auf den Tisch.
«Lückenlos und ohne Tabus»
«Ich will wissen, wer verantwortlich ist», so Cédric Wermuth. Damit spricht er stellvertretend für die gesamte Runde. «Wir müssen jedes Blatt umdrehen», unterstreicht Bregy die kollektive Forderung. Darüber, ob andere Zuständigkeiten eine solche Tragödie verhindert hätten, könne lediglich spekuliert werden.
Laut Vincenz-Stauffacher sei allerdings entscheidend, dass das gewählte System vollzogen werde – es komme in erster Linie auf die Umsetzung der Gesetze an. Weiterhin mit kantonalen Regelungen zu fahren, schliesst sie demnach nicht aus. Bregy pflichtet bei: «Die Regelung ist eine Sache, aber die Umsetzung ist viel entscheidender.»
Die SP setze sich seit Jahrzehnten für obligatorische kantonale Gebäudeversicherungen in der ganzen Schweiz ein, sagt Wermuth. Gemäss dem Aargauer führe dies zu mehr Prävention und dadurch zu einer höheren Sicherheit. Thomas Matter führt hingegen die Vorteile von föderalen Zuständigkeiten aus. Normalerweise sei die Gemeinde selbst näher an der Sache als «irgendein Beamter aus der Hauptstadt».