- Statt wie verlangt einmal jährlich hatte die Gemeinde Crans-Montana die Bar «Le Constellation» letztmals vor über sechs Jahren kontrolliert.
- Der Walliser Sicherheitsdirektor reagierte empört auf das Versäumnis. Jetzt zeigt sich: Dem Kanton hätten die laschen Kontrollen auffallen können.
- Der Kanton forderte fehlende Kontrollberichte bei den Gemeinden nicht ein. Er schonte sie unter anderem wegen geplanter Lockerungen.
Der Walliser Staatsrat und Sicherheitsdirektor Stéphane Ganzer zeigte sich gegenüber RTS erschüttert und wütend, als die Versäumnisse der Gemeinde Crans-Montana bekannt wurden: «Mich schockiert vieles an diesem Drama - auch die fehlenden Kontrollen», sagte Ganzer.
Die Pflichten beim Brandschutz seien klar geregelt. Der Kanton unterstütze die Gemeinden, wenn diese um Hilfe bitten würden. Doch laut Gesetz sind zwar die Gemeinden verantwortlich für die Durchführung der Kontrollen. Der Kanton aber hat Befugnisse bei Überwachung und Koordination. Konkret müssen ihm die Gemeinden sämtliche Kontrollberichte einreichen.
Somit hätten die Kantonsbehörden also merken können, dass Berichte aus Crans-Montana fehlen und die Bar «Le Constellation» und weitere Betriebe über Jahre nicht kontrolliert wurden.
Wenn kein Bericht eingeht, gehen wir davon aus, dass alles in Ordnung ist.
Doch aktiv geworden sind die Behörden nicht. Auf Anfrage von SRF und der Zeitung «Walliser Bote» schreibt der Chef des kantonalen Amts für Feuerschutz, Philipp Hildbrand: «Wenn kein Bericht eingeht, gehen wir davon aus, dass alles in Ordnung ist.»
Mehrere Gemeinden überfordert mit Kontrollen
Crans-Montana ist kein Einzelfall: Es zeige sich, dass nicht alle Gemeinden die gesetzlichen Vorgaben erfüllen könnten, sagt Amtschef Hildbrand. «Eigentlich müssten wir jährlich sehr viele Berichte erhalten. In der Realität sind es jedoch deutlich weniger. Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass Kontrollen durchgeführt wurden, wenn keine Berichte eingehen und keine Probleme gemeldet werden.»
Gemeinden wurden bewusst geschont
Der Kanton hat fehlende Berichte über jährliche Kontrollen in Bars, Restaurants oder Hotels bei den Gemeinden nicht eingefordert. Philipp Hildbrand erklärt das auch mit Plänen für Lockerungen beim Brandschutz. «Ursprünglich war geplant, schweizweit ab 2027 auf einen Zehnjahresrhythmus umzusteigen. Deshalb wurden die Gemeinden in den letzten Jahren nicht zusätzlich belastet», so der Walliser Amtschef. In Kantonen wie Zürich oder Bern würden Kontrollen oft nur alle fünf oder zehn Jahre erfolgen.
Anfang Woche haben die Verantwortlichen die Arbeiten an lockereren schweizweiten Brandschutz-Vorschriften unter dem Eindruck der Brandkatastrophe von Crans-Montana vorerst auf Eis gelegt. Im Wallis prüft der Kanton nun, ob er vorübergehend zusätzliches Personal einsetzen könnte, um die Gemeinden bei den Kontrollen zu unterstützen.
Zudem wollen die Kantonsbehörden die Gemeinden bei der Schulung der Sicherheitsbeauftragten stärker unterstützen. Geprüft wird als Sofortmassnahme auch ein kantonales Verbot von Pyrotechnik in Innenräumen.