Nach 50 Jahren sollen wieder Menschen den Mond betreten. Bei den Artemis-Missionen geht es um langfristige Aufenthalte auf dem Mond und den Abbau seltener Erden. Peter Wurz, Direktor des Physikalischen Instituts der Universität Bern, ist mit einem wichtigen Instrument an der Artemis-Mission der Nasa beteiligt.
SRF: Was unterscheidet die Artemis-Missionen von den Apollo-Mondlandungen vor über 50 Jahren?
Peter Wurz: Der neue Schritt ist, dass man länger auf dem Mond bleiben will. Das Apollo-Programm war wie ein kurzer Ausflug. Jetzt sollen Habitate realisiert werden, in denen Astronauten ein halbes oder ganzes Jahr bleiben können. Dafür muss man sich vor Ort versorgen können: Man muss Treibstoff, Sauerstoff und Rohmaterialien gewinnen. Man kann nicht alles von der Erde mitbringen.
Das Ziel ist, später mit diesem Instrument auf dem Mars nach Leben zu suchen.
Sie haben für diese Artemis-Mission ein handliches Massenspektrometer entwickelt. Wozu?
Das Gerät ist so gross wie eine Getränkedose und wurde während 20 Jahren an der Universität Bern entwickelt. Wir analysieren damit vor Ort die chemische Zusammensetzung von Gestein oder Staubkörnern. Die Hoffnung ist, dass die Astronauten die Materialuntersuchungen direkt auf dem Mond machen können und nicht alles zur Erde bringen müssen. Das Ziel ist, später mit diesem Instrument auf dem Mars nach Leben zu suchen.
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Bild 1 von 3. Das Massenspektrometer, das an der Universität Bern entwickelt worden ist, in einem luftdichten Gehäuse. Bildquelle: zvg / Peter Wurz.
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Bild 2 von 3. Peter Wurz präsentiert das über viele Jahre entwickelte Massenspektrometer in seinem Labor. Bildquelle: zvg / Peter Wurz.
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Bild 3 von 3. Eine Nachbildung des Sonnenwindsegels, das als einziges nichtamerikanisches Experiment der Apollo-11-Mission auf dem Mond (Juli 1969) eingesetzt worden ist. Dabei wurden Partikel des Sonnenwindes in einer Aluminiumfolie eingefangen und nach der Rückkehr analysiert. Bildquelle: zvg / Peter Wurz.
Bereits bei der Apollo-Mission war die Universität Bern mit dem Sonnenwindsegel dabei. Wie hat sich die Beziehung zur Nasa entwickelt?
Dass wir als kleines Land von der Nasa mit dem Massenspektrometer ausgewählt wurden, ist eine sehr hohe Auszeichnung. Das ist nicht selbstverständlich und das Resultat von 20 Jahren kontinuierlicher Arbeit. Wir mussten auf internationalen Konferenzen immer wieder die Leistungsdaten unseres Instruments präsentieren und zeigen, was wir können. Wir sind in engem Kontakt mit der Nasa, es gibt wöchentliche Meetings, oft fliegen wir auch in die USA oder umgekehrt, Leute von der Nasa in die Schweiz. Wir sind Teil der Nasa-Mannschaft.
Neben der Wissenschaft geht es nun auch um wirtschaftliche Interessen?
Ja, grosse Firmen haben Interesse, auf dem Mond abzubauen. Wir sprechen von seltenen Erden, von denen beispielsweise die Elektromobilität oder unsere Computer abhängig sind. Es gibt bereits US-Technologiefirmen, die Milliarden investieren, um mit der Artemis-Mission zu prüfen, ob sich ein Abbau auf dem Mond rechnen würde. Sie möchten Rohstoffe auf dem Mond gewinnen und die Materialien zur Erde zurückbringen.
Es ist ein Wettlauf, wer sich die schönsten Plätze als Erster sichert.
Die Nasa ist mit ihren Plänen nicht alleine?
Die unmittelbare Konkurrenz ist China. Die Chinesen haben ein sehr ambitioniertes Mondprogramm und geben Vollgas. Es ist also auch wieder ein Wettlauf, wer sich die schönsten Plätze als Erster sichert. Wer an einem Ort landet und sich einen Bereich absteckt, darf dieses Stück Mond nutzen. Die guten Plätze sind jene, an denen es Wassereis gibt, um die Astronauten zu versorgen. Und davon gibt es nicht viele.
Das Gespräch führte Karoline Arn.