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Aufschub nach Volksentscheid Gebirgskantone wollen Eigenmietwert nicht vor 2030 abschaffen

Die Kantone wollen mehr Zeit, um fehlende Einnahmen auszugleichen und eine Ersatzsteuer aufzugleisen.

Die Schweizer Stimmbevölkerung entschied im vergangenen September, dass der Eigenmietwert abgeschafft werden soll. Finanzministerin Karin Keller-Sutter stellte damals in Aussicht: 2028 könnte es so weit sein.

Jetzt sprechen sich die Gebirgskantone für ein Zuwarten aus. Die Regierungskonferenz der Gebirgskantone (RKGK) bittet Bundesrätin Keller-Sutter, den entsprechenden Beschluss nicht vor 2030 in Kraft zu setzen. Sie wollen mehr Zeit, um auf den Entscheid reagieren zu können. Während des Abstimmungskampfs positionierte sich die RKGK gegen die Abschaffung des Eigenmietwerts.

Objektsteuer rechtlich und politisch komplexer

Der Kanton Graubünden und die Bündner Gemeinden rechnen wegen der baldigen Abschaffung mit Steuerausfällen von bis zu 90 Millionen Franken. Ein Grossteil würde auf Zweitwohnungen fallen. Deshalb will der Kanton eine neue Objektsteuer einführen.

Verschneites Bergdorf in den Alpen mit hohen Gipfeln im Hintergrund.
Legende: Silvaplana im Engadin ist ein Ort mit vielen Zweitwohnungen. Von der Abschaffung des Eigenmietwerts sind solche Gemeinden besonders stark betroffen. Keystone/Peter Klaunzer

«Das Ganze braucht Zeit», sagt der Bündner Finanzdirektor Martin Bühler. Denn: Die Einführung einer Objektsteuer sei rechtlich und politisch wesentlich komplexer, als man dies im Abstimmungskampf habe wahrhaben wollen, heisst es laut Nachrichtenagentur «Keystone-SDA» von der RKGK.

Wenn wir vorher bereit sein müssen, dann wollen wir auch vorher bereit sein.
Autor: Martin Bühler Vorsteher des Departements für Finanzen und Gemeinden Graubünden

«Wir wollen überhaupt nicht auf die Bremse stehen. Wir wollen die Objektsteuer auf Stufe Kanton einführen und die Voraussetzungen für die Stufe Gemeinde schaffen», so Bühler weiter. «Es geht um eine vernünftige, gute Abfolge von Gesetzesrevisionen.»

Plakat mit Landschaftsfoto und Text 'Die Gebirgskantone' neben einer Glastür mit Wappen.
Legende: Die Regierungskonferenz der Gebirgskantone ist ein Zusammenschluss der Kantone Graubünden, Tessin, Wallis, Uri, Ob- und Nidwalden, Glarus und Appenzell Innerrhoden, um sich für gemeinsame Anliegen einzusetzen. Keystone/Anthony Anex

Der Entscheid, wann der Eigenmietwert abgeschafft wird, fällt der Bundesrat. Und damit liegt es auch in dessen Hand, wann die Kantone mit allfälligen anderen Lösungen bereit sein müssen. Der Bündner Finanzdirektor Bühler sagt: «Wenn wir vorher bereit sein müssen, dann wollen wir auch vorher bereit sein.»

Fahrplan des Bundesrats kommt bis im Sommer

Man wolle «nicht weinerlich sein», sagt Bühler. «Der Bundesrat sagte einst: Voraussichtlich per 1. Januar 2028 werde das umgesetzt. Wir haben nun platziert, dass der 1. Januar 2030 für uns besser wäre. Vielleicht wird es dann der 1. Januar 2029.» In den Bergen hofft man auf eine Kompromisslösung.

Es wird erwartet, dass der Bundesrat noch vor den Sommerferien entscheidet, wie der Fahrplan für die Abschaffung des Eigenmietwerts aussehen soll. Das Eidgenössische Finanzdepartement beschied die RKGK in ihrer Antwort, dass eine Vernehmlassung der Finanzdirektorenkonferenz abgewartet werde.

Objektsteuer: Widerstand von Zweitwohnungsbesitzern

Box aufklappen Box zuklappen

Bereits nach dem Abstimmungsentscheid über die Abschaffung des Eigenmietwerts formierte sich Widerstand von Besitzerinnen und Besitzern von Ferienwohnungen. Damals sagte etwa Nicolas Leuba, Präsident des Walliser Verbands der Zweitwohnungen, gegenüber «CH Media»: «Wir werden uns gegen die Einführung auf Zweitwohnungen wehren.» Leute mit Ferienwohnungen würden bereits anderweitig genügend Beiträge an die touristische Infrastruktur leisten.

Regionaljournal Ostschweiz und Graubünden, 4.2.2026, 6:31 Uhr ; 

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