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Aufwendiger Amphibienschutz Wie Winterthur Tausende Frösche vor dem Strassentod rettet

Wenn Frösche Laichplätze suchen, werden Strassen zur Todesfalle. In Winterthur retten Schutzzäune Tausende Tierleben.

«Ein Grossteil dieser Frösche wäre ziemlich sicher überfahren worden, würde ich diesen Job nicht machen», sagt Ulrich Keller und zeigt auf seinen Eimer. Er ist einer von mehreren Freiwilligen, die am Stadtrand von Winterthur nächtelang Amphibien vor dem sicheren Tod auf den Strassen bewahren.

So auch in dieser Märznacht: Ulrich Keller läuft im strömenden Regen eine Strasse am Waldrand entlang. Heute habe er absichtlich früher mit der Arbeit begonnen. «Ich hasse es wie die Pest, wenn ich hier hochkomme und schon tote Frösche auf der Strasse sehe.»

Es ist die Freude an den Tieren und der sorgfältige Umgang mit der Natur, die Keller seit zehn Jahren antreiben, um die Amphibien zu schützen. Denn immer, wenn das Thermometer in der Nacht über fünf Grad steigt und Regen fällt, erwachen die Frösche, Kröten und Molche aus ihrer Winterstarre.

Eine Reise, die ohne Hilfe tödlich enden kann

Sie machen sich dann auf den Weg zu den Laichgewässern – getrieben von ihrem Instinkt. Das Problem ist dabei die moderne Infrastruktur, die ihre Wanderrouten durchschneidet. Ohne Hilfe würde die Reise für viele Tiere tödlich enden.

Um dies zu verhindern, setzt die Stadt Winterthur auf Schutzmassnahmen. Jörg Altorfer ist Gruppenleiter bei Stadtgrün Winterthur, und er sagt: «Grasfrösche und Kröten sind vom Aussterben bedroht. Wo mehr als 100 von ihnen tot auf der Strasse liegen, macht man solche Schutzmassnahmen.»

Das war auf diesem Abschnitt am Waldrand von Winterthur der Fall, hier gehen 25'000 Amphibien auf Wanderschaft. «Wenn sich niemand darum kümmern würde, dann lägen hier in einer regnerischen Nacht rund 200 bis 300 tote Frösche auf der Strasse», sagt Altorfer weiter.

Die Frösche erwachen immer früher

Deshalb wurden bereits im Februar an dieser Stelle Zäune am Strassenrand errichtet. Die kleinen, grünen Wände leiten die Tiere so, dass sie in Eimer fallen, die im Erdreich versenkt wurden.

Und hier kommen die freiwilligen Helferinnen und Helfer ins Spiel. Sie bauen nicht nur die Barrieren auf, sondern fungieren auch als lebensrettendes «Frosch-Taxi». Die Kübel werden täglich kontrolliert. Behutsam sammeln die Helfer die Tiere ein und tragen sie sicher über die Fahrbahn, damit sie ihren Weg zum Wasser fortsetzen können.

Auffällig sei, dass sich das Wanderverhalten der Tiere über die Jahre verändert habe, sagt Salome Spycher, Rangerin bei Stadtgrün Winterthur. «Wir haben bemerkt, dass es früher stattfindet, dass es wärmer ist als vor fünf Jahren. Damals haben sie erst im März mit der Wanderung angefangen.»

Tausende Leben werden gerettet

Für die freiwilligen Helferinnen und die Verantwortlichen der Stadt ist der Aufwand gross. Doch der Erfolg rechtfertigt ihn. Jedes Jahr werden so in Winterthur und Umgebung über 3000 Tiere gerettet – darunter Erdkröten, Bergmolche oder seltene Feuersalamander. Ein wichtiger Einsatz, denn 14 der 19 einheimischen Amphibienarten gelten als gefährdet.

Schweiz Aktuell, 23. März 2026, 19 Uhr ; 

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