Worum geht es? Die Titlis Bergbahnen im Kanton Obwalden haben ihren «Titlis-Tower» eröffnet. Das ist ein von den Stararchitekten Herzog & De Meuron erneuerter Richtstrahlturm auf über 3000 Metern. Diese neueste Attraktion – der «höchstgelegene Turm Europas», wie ihn die Verantwortlichen nennen – soll das ganze Jahr über Touristinnen und Touristen ins Berggebiet locken.
Was gibt es im Turm zu sehen? Die Verantwortlichen sprechen von einem «Erlebnisort». Oben auf dem Turm, unterhalb der Antennen, ist eine Aussichtsplattform, auf der die Gäste in alle Richtungen blicken können. Weiter unten befinden sich ein Restaurant sowie eine Rolex-Boutique. Um all dies unterzubringen, wurde die ursprüngliche Stahlkonstruktion des Antennenturms mit neuen Treppen, Lifts und zwei horizontalen Riegeln ergänzt. Das Basler Architekturbüro Herzog & De Meuron übernahm die Gestaltung. Er verstehe den Turm als «eine Art Wegweiser, welcher in den Himmel über dem Titlis ragt», sagt Jacques Herzog.
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Bild 1 von 2. Vorher. Der Richtstrahlturm wurde in den 1980er-Jahren für Telekommunikationszwecke gebaut. Bildquelle: Keystone/Urs Flüeler.
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Bild 2 von 2. Nachher. Nun ist er für Gäste begehbar und soll zur neuen Attraktion werden. Der Turm wurde um neue Treppen und Lifts ergänzt. Die augenfälligste Veränderung sind wohl die beiden kreuzförmig angeordneten Riegel oben am Turm. Bildquelle: SRF.
Was kostet das? Die Titlis Bergbahnen haben die Erneuerung des Turms zusammen mit einem Neubau der Bergstation lanciert. Insgesamt kostet das Projekt 150 Millionen Franken. Die neue Bergstation soll bis 2029 entstehen. Man sei bezüglich des Zeitplans und der Kosten auf Kurs, sagt Verwaltungsratspräsident Hans Wicki.
Wozu braucht es das? Viele Schweizer Bergbahnen setzen vermehrt auch aufs Sommergeschäft, um in Zeiten des Klimawandels weiter wachsen zu können. Man wolle die «Positionierung des Titlis als internationale Ganzjahresdestination stärken», heisst es so auch in einer Mitteilung der Bergbahnen. Dank des Turms und der neuen Bergstation wollen sie pro Jahr etwa 400'000 zusätzliche Besucher in die Region locken. Tourismusexperte Jürg Stettler von der Hochschule Luzern ergänzt, dass es in den Bergen mittlerweile mehr brauche als Schnee und eine schöne Aussicht. «Der reine Transport reicht schon lange nicht mehr. Es gibt schon länger einen Trend zur Inszenierung und Erlebniserweiterung.»
Kann das funktionieren? «Das Ziel ist sicher ambitioniert», sagt Jürg Stettler mit Blick auf die Zahlen. Im Jahr 2014/2015 hätten die Bergbahnen schon so viele Ersteintritte wie heute verbucht. «Über alles gesehen hat man innerhalb von 10 Jahren kein Wachstum gehabt.» Dass die Zahlen dank der neuen Gebäude nun um 30 Prozent steigen sollen, sei eine Herausforderung. Aber machbar: «Wenn man das bis 2040 erreichen will, sind das zwei Prozent Wachstum pro Jahr. Das könnte funktionieren.»
Was sagen die Naturschützer? Naturschutzverbände betrachten die Aufrüstung in den Bergen seit Längerem mit Sorge. Deshalb schaue man auch beim Ausbau auf dem Titlis genau hin, sagt Julian Junker vom WWF Zentralschweiz. Man sei im Austausch mit den Titlis Bergbahnen und diese hätten Ersatzmassnahmen versprochen. «Es wird ein Skilift zurückgebaut und alte Bau-Fundamente aus dem Gebiet entfernt.» Ausserdem solle der öffentliche Verkehr attraktiver werden. Das Ziel, die Gästezahl weiter zu steigern, bereite ihm am meisten Kopfzerbrechen. «Je mehr Menschen in unsere Berge kommen, desto mehr kommen die Lebensräume unter Druck.» Es werde umso wichtiger, dass Wildruhezonen und Pflanzenschutzgebiete gut gekennzeichnet seien.