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Ausgrabungen in Zofingen AG Altes Massengrab in Zofingen gefunden – waren es Pest-Tote?

  • Auf dem Kirchplatz in Zofingen hat die Kantonsarchäologie ein mehrere hundert Jahre altes Massengrab entdeckt.
  • Es wurden bisher Überreste von 10 Menschen geborgen, weitere werden ausgegraben.
  • Die Theorie der Archäologen: Es könnten Pest-Tote aus dem 17. Jahrhundert sein.

Die Ausgrabungsarbeiten in Zofingen stossen bei der Bevölkerung auf grosses Interesse. «Kinder fragen, ob sie mitgraben dürfen», erzählt Archäologin Jana Lingg, die die Ausgrabungen leitet. Gefunden hat man die Knochen auf dem zentralen Platz in der Altstadt zufällig.

Hier entsteht ein neuer Kiesplatz, mit Sitzbank und einem neuem Baum. Bevor die Arbeiten fortgesetzt werden, sichern die Fachleute die wichtigen Funde. Seit Januar graben Archäologinnen und Archäologen in einem ausgebaggerten Loch. Es ist drei mal drei Meter gross. Sie finden Schädel, Arme, Zähne und Fingerknochen, zum Teil auch fast komplette Skelette.

«Wir haben in diesem Loch schon ungefähr 10 Gräber gefunden. Es war immer ein Individuum pro Grab. Wir hatten auch zwei Skelette übereinander, die lagen wohl Sarg auf Sarg», erklärt Ausgrabungsleiterin Jana Lingg. Die Arbeiten im Massengrab könnten auch traurige Geschichten «erzählen», weiss Lingg.

Menschliche Schicksale

«Wir haben auch ein Grab mit einer Steinmurmel mit einem Loch gefunden. Sie könnte von einem Rosenkranz oder einem Anhänger stammen. Sie lag bei einem Kinderskelett. Jemand hat dem Kind Sorge getragen und ihm den Anhänger ins Grab mitgegeben. Ich finde schön, dass man das sieht.»

Gefunden wurden die Überreste in der Nähe einer Kirche. Das sei zu erwarten, sagt Archäologin Lingg. Aber dass man gleich ein Massengrab finde, sei nicht alltäglich: «Wir wissen, dass in Zofingen auf diesem Friedhof einmal Pest-Tote begraben wurden. Das musste damals schnell gehen.» Nun versucht die Kantonsarchäologie herauszufinden, ob es sich bei den Funden wirklich um diese Pest-Tote handelt.

Pest-Tote aus Nachbargemeinde?

In der Zeit vor 1668 wurden in Zofingen nämlich Pest-Tote aus der Nachbarsgemeinde Strengelbach auf genau diesem Friedhof beerdigt. Damals war das ein Politikum, Pest-Tote mitten in der Stadt – das stiess auf Widerstand.

Nicht alle Überreste, die gefunden waren, stammen wohl aus demselben Jahr oder Jahrzehnt, sagt Grabungsleiterin Jana Lingg: «Der Friedhof war länger in Betrieb. Früher wurden die Knochen in Gräbern beiseite geschoben und neue Leute beerdigt. Deshalb liegen sie hier dicht und nah beieinander.»

Auswertungen sollen Klarheit schaffen

Mit Pinsel, Spatel aber auch Staubsaugern graben die Archäologie-Fachleute in Zofingen. Die Arbeit mit dem Staubsauger sei heikel, weiss Jana Lingg: «Man muss vorsichtig arbeiten. Es gab es, dass ich den Sauger öffnen und ein Knöchelchen wieder rausholen musste.»

Die Funde werden im Labor ausgewertet. Hierbei hoffen die Fachleute auf Informationen zur Herkunft und dem Alter der Knochenfunde. Wenn die Grabungsarbeiten fertig sind, wird das Loch auf dem Kirchplatz zugeschüttet und die Bauarbeiten für den neuen Platz fortgesetzt.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 20.01.2026, 17:30 Uhr ; 

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