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Ausser Spesen nichts gewesen? 177 Anzeigen fürs Schwänzen des Zivilschutz-Infotags

Im Aargau müssen Frauen und Ausländer einen Infoanlass besuchen. Nun zeigt sich: 177 Personen wurden angezeigt.

Seit 2024 müssen 23-jährige Schweizerinnen sowie Ausländerinnen und Ausländer im Aargau an einen obligatorischen Infotag. «Sicherheitsveranstaltung Bevölkerungsschutz» heisst er. So sollen mehr Personen für die freiwillige Arbeit im Zivilschutz gewonnen werden. Wer den Infotag auslässt, zahlt eine Busse und riskiert einen Strafbefehl. Viel Bürokratie für den Zivilschutz, der unterdessen über 170 Anzeigen eingereicht hat.

Idee hinter dem obligatorischen Infotag

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Warnschild mit Aufschrift 'Zivilschutz' in Lagerraum.
Legende: Keystone / Christian Beutler

Einen halben Tag erhalten die Teilnehmenden Informationen von Polizei, Samariter, Feuerwehr und Zivilschutz. Im besten Fall soll das Interesse geweckt werden, sich freiwillig im Bevölkerungsschutz zu engagieren – prioritär im Zivilschutz, der ein Personalproblem hat.

Die Veranstaltungen finden an vielen Orten statt, organisiert durch die verschiedenen Bevölkerungsschutzregionen.

Rekrutiert werden dürfen Interessierte an den Anlässen nicht.

Aargauer Modell für andere?

Der Aargau hat diesen obligatorischen Infotag als erster Kanton eingeführt. Das Berner Parlament hat unterdessen ein ähnliches Modell beschlossen.

Seit der Einführung der obligatorischen Infotage wurden im Aargau 177 Anzeigen eingereicht. «Aus den 177 Fällen sind 119 Strafbefehle ergangen», sagt die Aargauer Staatsanwaltschaft auf Anfrage von SRF. Das heisst, 119 Personen wurden per Strafbefehl verurteilt und mussten für das Schwänzen bezahlen.

700 Franken fürs Fernbleiben

Im Fall eines in Aarau wohnhaften Mannes aus dem Kosovo hat ihn das Fernbleiben am Infoanlass 700 Franken gekostet: 300 Franken Busse und 400 Franken Gebühren für den Strafbefehl.

Menschen bei einer Messe oder Ausstellung in einer Halle.
Legende: Ein obligatorischer Infoanlass zum Thema Bevölkerungsschutz im aargauischen Zurzach. SRF

Jede Person, die für den Infotag infrage kommt, wird persönlich eingeladen. Wer nicht erscheint, erhält eine Mahnung. Wenn man trotzdem nicht erscheint, reicht der zuständige Zivilschutz eine Anzeige ein. Das sei ein «Bürokratiemonster», heisst es bei Aargauer Zivilschutzorganisationen auf Anfrage.

Viel Aufwand, wenig Ertrag

Tatsächlich zeigten Zahlen diesen März, dass die Infotage ihr Ziel verfehlen. Im Jahr 2024 haben 2466 Personen an den rund 60 Infoveranstaltungen teilgenommen, hiess es in einem Vorstoss des Parlaments. Davon konnte lediglich eine Person für den Zivilschutz gewonnen werden.

Mann in orangener und grüner Uniform mit ZSO Baden Abzeichen.
Legende: Gewisse Zivilschutzregionen haben extra Personal eingestellt, die sich um die «neue» Bürokratie kümmern. SRF

Eine der grösseren Aargauer Zivilschutzorganisationen, das Regionale Führungsorgan Baden (RFO), hat in den Jahren 2024 und 2025 total 650 Personen aufgeboten. In 40 Fällen machte das RFO eine Anzeige, weil Personen den Infotag geschwänzt hatten.

Zivilschutz versus Zivildienst

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Arbeiter installieren orangefarbene Schutzvorrichtungen auf Strasse.
Legende: Zivilschutz und Feuerwehr bauen mobile Hochwasserschutzsperren auf. Keystone / Alexandra Wey

Der Zivilschutz schüzt die Bevölkerung bei Katastrophen und Notlagen. Zivilschutz leistet, wer für den Militärdienst untauglich, für den Zivilschutz (Schutzdienst) aber tauglich ist. 

Der Zivildienst ist ein Ersatzdienst für jene, die aus Gewissensgründen keinen Militärdienst leisten wollen. Im Zivildienst wird die Gemeinschaft unterstützt. Er dauert anderthalbmal so lange wie der Militärdienst.

Ein anderes Regionales Führungsorgan hat für die Administration der Sicherheitsveranstaltungen eine Person mit einem 20‑Prozent-Pensum eingestellt. Aufwand und Ertrag würden in keinem Verhältnis stehen, heisst es in Baden.

Probleme mit Bussen

Im Jahr 2024 und 2025 gab es gemäss Anfrage beim zuständigen Aargauer Departement «Schwierigkeiten im Vollzug des Bussenwesens der obligatorischen Sicherheitsveranstaltung».

Menschen richten Matten in einer Sporthalle aus.
Legende: Der Zivilschutz hilft nicht nur nach einem Hochwasser, zum Beispiel. Er half auch beim Aufbau des Eidgenössischen Turnfests. Keystone / Urs Flüeler

Der A-Post-Versand der Einladung und die Information im Amtsblatt, dass man zum Infotag erscheinen muss, hätten der Staatsanwaltschaft nicht immer genügt, um Personen zu büssen.

Hier habe man schon Änderungen angepackt, heisst es beim Kanton weiter. «An den obligatorischen Sicherheitsveranstaltungen werden weiterhin Präsenzkontrollen geführt, mit Visum». Zudem würden die Zweitaufgebote neu per Einschreiben zugestellt.

Einstellen oder weiter anbieten?

Eine Mehrheit (neun von zwölf) der Aargauer Zivilschutzkommandos empfiehlt die «schnellstmögliche Einstellung der Sicherheitsveranstaltungen». Aber man stosse beim Kanton auf taube Ohren, heisst es bei verschiedenen RFO auf Anfrage.

Gemäss Kanton läuft der obligatorische Infoanlass bis 2028 noch als Testphase. Zudem wirken die Strafbefehle. Gewisse Zivilschutzorganisationen verzeichnen Personen, die unter Androhung eines Strafbefehls dann doch am Infotag erscheinen.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 11.5.2026, 6:32 Uhr ; 

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